Am vergangenen Freitag wurde bekannt gegeben, dass ab dem heutigen Montag die Schulklassen, in denen der Mindestabstand zwischen den Kindern nicht eingehalten werden kann, geteilt werden. Jeweils eine Gruppe hat Regel-Unterricht im Klassenzimmer, die andere Gruppe zeitgleich Online-Unterricht zu Hause. Beginnend ab der ersten Klasse. Vorerst für zwei Wochen. Was das für die Kinder bedeutet, deren Eltern nicht in der Lage sind, ihnen die teilweise grundlegenden Dinge beizubringen, ist kaum in Worte zu fassen. Aber auch für die Eltern und deren Arbeitgeber ist es eine große Herausforderung.

Organisation und Struktur bei Kindern?

Während es Teenagern vielleicht zuzumuten ist, sich selbst soweit organisieren zu können, dass sie ihre Aufgaben allein zu Hause abarbeiten, ist das bei Grundschulkindern und der Unterstufe der weiterführenden Schulen nicht denkbar. Die Kinder dieser Altersgruppe sind auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Dafür aber bringen Arbeitgeber, verständlicher Weise, wenig Verständnis auf.

Schon im Frühjahr dieses Jahres mussten sie auf einen Großteil der Eltern in ihrer Belegschaft verzichten, nun sollen sie es schon wieder. Denn bei der aktuellen Regelung gibt es keine Notbetreuung. Keine Betreuung für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen, keine Betreuung von Kindern mit Eltern mit einem fehlenden sprachlichen Hintergrund, keine Betreuung von alleinerziehenden Elternteilen. Ausschließlich die Betreuung in Schulen und Kindertagesstätten, die um die Hälfte der Tage reduziert wird.

Einteilung der Kinder in Gruppen

Dabei wird keine Rücksicht auf etwaige Geschwisterkinder genommen. So kann es passieren, dass Eltern von mehr als einem Kind jeden Tag mit einem ihrer Kinder im Home Schooling sitzen, ebenso kann es passieren, dass mehr-Kind-Familien alle Kinder gleichzeitig im Home Schooling haben.

Wie sollen sie dabei noch allen gerecht werden? Sowohl Kinder als auch der Arbeitgeber bleiben auf der Strecke, von den sich zerreißenden Eltern ganz zu schweigen.

Einschränkungen gelten für alle

Natürlich gibt es auch andere Gruppen, die sich stark einschränken müssen:
Firmen, sogar ganze Branchen, die seit Monaten in Kurzarbeit sind und es wohl auch noch viele Monate bleiben werden.
Arbeitnehmer, die ihre Jobs verloren haben.
Selbständige, die ohne Aufträge dastehen.
Kranke und Senioren, die keinen Besuch im Krankenhaus oder Heimen bekommen dürfen.
Schwangere, die darum fürchten, ohne ihren Mann entbinden zu müssen. Und noch viele mehr.

Das ist Wahnsinn!

Es kann nicht allen recht gemacht werden und Einschränkungen sind notwendig. Doch zu behaupten, dass Kinder dieses Mal in den Fokus gerückt werden und dann kommt es doch wieder zu Betretungsverboten, dazu stolz verkünden, dass die Einrichtungen aber doch geöffnet seien – das ist Wahnsinn.
Dass zeitgleich auf Grund der fehlenden Notbetreuung der arbeitenden Elternschaft eine Last auferlegt wird, die sich auf alle Unternehmen, die Eltern beschäftigt, auswirkt, das ist Wahnsinn.
Menschen, die sich gegenseitig die Schuld an den Zahlen geben, das ist Wahnsinn.

 

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