Der Tag nach der zweiten Nacht. Eine kurze Nacht, aber eine deutlich bessere als die erste.

Zum einen war es mir vergönnt, in meinem eigenen Bett zu schlafen. Zwerg schlief im Kinderzimmer.

Zumindest bis 4 Uhr früh. Dann stand Zwerg vor mir und teilte mir mit, lieber bei mir schlafen zu wollen. Ich drapierte meinen Arm bereits so, dass Zwerg sich nur noch hineinkuscheln musste. Pustekuchen. Zwerg zog es vor, es sich auf der Höhe meines Bauches gemütlich zu machen. Besser für mich, dachte ich. So habe ich hier oben wenigstens Platz. Naja, zumindest ein bisschen, denn Fötusstellung ging nicht, da ich meine Beine in der ewig gleichen Position halten musste, um Zwerg nicht aus dem Bett zu schubsen.

Spielgruppe: Mama, ich möchte bei dir bleiben

Einer der schönsten Sätze der Welt zu einer der unpassendsten Momente.

Mama musste morgens noch vor dem Frühstück zur Blutabnahme (der Arm tut mir immer noch weh), um 10 Uhr beginnt dann das Wohlfühlprogramm mit Massage und Infrarotanwendung. Kinder sind dabei nicht erlaubt, teilweise noch nicht einmal möglich.

Zwerg ist das egal, denn wenn Zwerg nicht in die Spielgruppe möchte, dann möchte Zwerg eben auch nicht.

Hilft alles nichts, erst ziehe ich mich dann, dann muss auch Zwerg dran glauben. Das Lieblings-Shirt darf es heute nicht sein, da zu viel Gezicke. Also ein anderes Shirt – das natürlich für noch mehr Gezicke sorgt. Egal. Gleich ist Zwerg in der Spielgruppe und ich lasse mich anzapfen.

Doch kaum haben wir das Zimmer verlassen, habe ich wieder den kleinen Sonnenschein, den ich kenne. Kein Zicken, kein Jammern, kein Plärren. Zwerg ist gut gelaunt und tänzelt fast schon die Treppen herunter und auf die Kinderbetreuung zu.

Natürlich, kaum sind wir angekommen und auf dem Weg zum Tigerraum, da schlägt die Laune wieder um. Nun wird geschmollt und am Arm festgeklammert, Zwerg ist gar nicht erbaut darüber, dass nun die Spielgruppe beginnt.

Ich bin auch nicht erbaut, dass mir gleich in den Arm gestochen und mein Blut herausgepresst wird – durch manche Dinge müssen wir einfach durch.

Heute gibt’s in den Gruppen allerdings Nutellabrötchen, mmh, zusammen mit einem Kakao können die Zwerg doch vom Bleiben in der Gruppe überzeugen.

Ich komme später wieder, habe nachmittags noch den Gruppentermin der psychologischen Abteilung. Anwesenheitspflicht.

Erste Anwendungen

Ich gehe also zum Blutabnehmen, nach dem Wochenende erfahre ich die Ergebnisse. Oder auch nicht. Wenn ich nichts höre, ist alles gut.

Also ab zum Frühstück.

Bekanntschaft ist schon fast fertig, denn ihre Massage ist sehr knapp nach dem Frühstück terminiert.

Ein bisschen Ruhe während des Frühstücks ist mir jedoch sehr recht – müde, von den zwei kaum geschlafenen Nächten, traurig wegen den Zickereien und ein wenig verärgert über die wenigen Jogging-Möglichkeiten lese ich einfach mal ein paar Artikel – über das Joggen versteht sich. Nach wie vor sind sich alle nicht einig, ob nüchtern Joggen nun gut oder schlecht ist. Ich habe meine Entscheidung getroffen, ich laufe nicht nüchtern. Schon gar nicht hier.

Nach dem Frühstück geht es dann für mich noch für eine Stunde zurück ins Apartment, ausruhen. Oder schreiben. Eigentlich ruhe ich mich auch beim Schreiben sehr gut aus. Nur nicht lesen, dann schlafe ich ein.

Gleich darf ich mich massieren lassen, dann steht die Infrarotanwendung auf dem Programm. Was das wohl sein mag? Ich bin gespannt.

Jogging-Sachen ziehe ich vorher noch an, dann kann es nach der Entspannung noch vor dem Mittagessen losgehen.

Die nächsten 3 nicht akzeptablen Kilometer, die mehr in die Höhe und Tiefe als auf die Entfernung gehen stehen vor mir.

Morgen leihe ich mir vielleicht ein Fahrrad und fahre mit Zwerg in den nächsten Ort, neues Koffein holen.

Psychologische Gruppensitzung

Ich bin dafür, dass Menschen auf allen erdenklichen Wegen geholfen werden soll. Insbesondere in Erziehungssachen können schon alleine Gespräche mit anderen hilfreich sein.

Der verpflichtenden Gruppensitzung habe ich daher recht gelassen entgegen gesehen. Nun aber sehe ich das etwas anders. Denn wer wirklich psychologische Probleme hat – und das scheinen in dieser Gruppe einige zu sein – ist in einer Gruppentherapie meiner Meinung nicht wirklich richtig.

Schon alleine in der Vorstellungsrunde sind die ersten Tränen geflossen, die Frauen haben Dinge angesprochen, die ich maximal mit meiner Familie bespreche, nicht aber in einer Gesprächsrunde mit 13 fremden Frauen und einer ebenfalls unbekannten – und meiner Meinung nach leider eher weniger sympathischen – Psychotherapeutin.

Das schönste in dieser Stunde für mich war die Aussage, dass die Sitzungen nicht verpflichtend sind.

Ich werde mir daher sehr genau überlegen, ob ich noch weiter daran teilnehme und mir die teilweise wirklich dramatischen Geschichten der anderen Frauen anhöre oder ob ich die Zeit nicht besser meiner Erholung und meinen Zielen widmen.

Ganz getreu dem Credo, das ich in den drei Tagen hier nun schon mehrfach von unterschiedlichen Stellen gehört habe: Kümmere dich erst um dich selber, denn nur, wenn es dir gut geht, kannst du dich auch um andere kümmern.