Die Mutter wacht auf. Nach dem anfänglichem Schreck, dass Gretel nicht neben ihr liegt, kommt ihr das freie Wochenende wieder in den Sinn.

Kurzerhand hat sie die beiden Tage gestern noch vollkommen verplant, um sie bestmöglich zu nutzen.

Ein Blick auf die Uhr verrät ihr, dass sie noch ausreichend Zeit hat, bevor die heutige Tour beginnen wird.

Sie bleibt entspannt im Bett liegen. Weit weg von der Kaffeemaschine. Diese muss sie an ihren kinderfreien Tagen selbst bedienen. So weit weg. Sehnsüchtig schaut sie in Richtung des schwarzen Glücksproduzenten. Bequem bleibt sie liegen.

Erst einmal wird sie nicht aufstehen. In drei Stunden wird sie zur Radltour abgeholt, da wird ausreichend Zeit bleiben, einen bis siebzehn Kaffee zu trinken.

Das Ziel ist auch heute wieder einer ihrer Lieblingsseen. Insgesamt wird die Tour, vorausgesetzt sie verfährt sich nicht wieder, fünfzig Kilometer betragen. Eingeplant ist neben einer Kaffeepause mit Füßen im See zudem ein kühles Bier mit Seeblick. Sie freut sich schon sehr.

Das Abendessen wird es heute im Biergarten geben. Ob sie auch dort mit dem Fahrrad hinfahren wird, steht noch nicht fest. Sie würde gerne, allerdings ist sie kein Fan von nächtlichen Fahrten alleine durch unbelebte Gegenden der Großstadt. Und an der Hauptstraße entlang macht das Fahren weniger Spaß. Welch ein Dilemma.

Nun aber steht sie erst einmal auf. Mit Mühe und Not bekommt die Maschine aus den verbleibenden Bohnen noch einen Kaffee heraus. Mist, sie hat vergessen, neue zu kaufen.

Mit der traurigen kleinen Tasse setzt sie sich auf den Balkon. Als sie beschließt, dass es sinnvoll sein könnte, vor einer Radltour von fünfzig Kilometern bei etwa fünfundzwanzig Grad Celsius, zu frühstücken, folgt direkt der nächste Schock. Es sind keine Haferflocken mehr da!

Dass die Kinder in der letzten Zeit oft Müsli gegessen haben, hat die Mutter registriert. Dennoch ist sie davon ausgegangen, noch eine Packung im Schrank zu haben. Dem ist nicht so.

Zwischen Radltour und Biergarten wird sie also auf jeden Fall einkaufen müssen. Jetzt aber sitzt sie mit einer leeren Kaffeetasse und drei Löffeln Müsli auf dem Balkon und bemitleidet vorsorglich schon mal ihre Radlbegleitung.

Es kommt alles ganz anders als gedacht.

Der Wind ist stark und der Himmel dunkel. Es ist anstrengend zu radeln und danach, dass sie zumindest mit tollen Seefotos belohnt werden, sieht es auch nicht. Die Mutter gesteht der Begleitung, dass weder ausreichend Kaffee noch Frühstück in ihr vorhanden ist.

Tapfer strampeln die beiden gegen den Wind an, bis sie eine Routenänderung beschließen.

Sie statten sich mit Proviant aus und steuern auf einen näher gelegenen See zu. Dort picknicken sie und lassen die dunklen Wolken vorüberziehen.

Es geht weiter zum nächsten See. Nach Eiskaffee und Bier umrunden sie diesen und fahren heimwärts.

Als letztes kehren sie am heimischen See in den Biergarten ein und gönnen sich ein weiterers Bier, bevor sich ihre Wege trennen.

Daheim wird geduscht. Lange genießt die Mutter das kühle Nass. Sie ist noch im Biergarten verabredet. Noch unschlüssig, ob sie mit dem Radl oder dem Auto fahren möchte, braucht sie erst einmal etwas zu essen. Danach einen Kaffee.

Die Entscheidung fällt auf das Auto. Und das ist auch gut so. Denn sie ist erst kurz vor Mitternacht zu Hause. Es war ein sehr lustiger Abend. Es war ein sehr schöner Tag.

Vob Hänsel hat sie eine Sprachnachricht bekommen. Dem Jungen war es wichtig, seiner Mutter mitzuteilen, was sie am Abend vorhaben und nach ihren Plänen zu fragen. Auf die Antwort, die die Mutter sendet, kommt allerdings keine Reaktion mehr.

Den Kindern scheint es gut zu gehen. Glücklich schläft die Mutter ein.