Es regnet. Es ist grau. Der Wecker klingelt. Während aus dem Mobiltelefon der Mutter deren Lieblingssänger anfängt etwas von „The way you make me feel“ zu singen, fühlt die Mutter Schmerz. Alles tut weh. Kopf, Beine, Bauch, Rücken. Ein Blick zur Seite bestätigt ihren Verdacht. Das kleine Häufchen Müdigkeit liegt neben ihr, quer über das große Bett der Mutter verteilt. Sie selbst hat also wieder zusammengekauert in der freien Ecke genächtigt. Kein Wunder, dass sich ihr Körper bemerkbar macht.

Sie nimmt die kleine in den Arm, gibt ihr zärtlich ein Küsschen, deckt sie richtig zu und steht auf. Der Weg geht zur Kaffeemaschine.

Im Anschluss wird Hänsel geweckt. Aufstehen möchte auch der Junge nicht. Nur noch zwei Tage, dann ist wieder eine Woche Home Schooling angesagt.

Wie soll es nur werden, wenn der Junge im neuen Schuljahr immer bis nachmittags Unterricht haben wird?

Den Gedanken schiebt die Mutter, ebenso wie viele andere das neue Schuljahr betreffend, zur Seite.

Der Junge liegt immer noch im Bett. Gestern um diese Zeit ist er beinahe schon zur Schule spaziert.

Gretel schläft noch. Sie rechnet fest damit, dass ihre Gruppe heute die erste ist, die in das Planschbecken hüpfen darf. Statt ins Wasser zu springen, kommt nun Wasser von oben. Glücklich wird das Mädchen nicht darüber sein.

Die Mutter überlegt, das Kind mit dem Auto zu bringen. Denn auch sie ist wenig ambitioniert ob der Naturdusche, die sich aktuell über ihr kleines Städtchen ergießt.

Der Ausflug zum See, der für heute geplant ist, wird wahrscheinlich ins Wasser fallen. Stattdessen strebt die Mutter einen Kuschelnachmittag an. Der würde ihr gut tun. Ob die Kinder ihn ebenfalls genießen würden, insbesondere als Alternative zum See, bleibt fraglich. Vielleicht sieht es später aber alles ganz anders aus und Alexa hat sich bei ihrer Wettervorhersage getäuscht.

Als Hänsel später nach Hause kommt, freut er sich, seine Mutter zu sehen. Sie unterbricht den Mord und Totschlag, den sie den Vormittag über laufen ließ. Das Duo aus Cop und Autor muss warten, sie hat jetzt andere Prioritäten. Hänsel kuschelt sich zu ihr.

Lange reden sie. Ergebnis ist, beide möchten den Nachmittag zu Hause verbringen.

Während die Mutter weiter ihre Cop-Autor-Geschichte guckt, läuft im Kinderzimmer ein frecher Prinz aus einem vornehmen, amerikanischen Vorort. Ob Gretel ihn später zwingen wird, zu ihren sprechenden Schildkröten überzugehen, werden die beiden dann sehen.

Schon bald ist Abholzeit im Kindergarten. Das Wetter ist unbeständig. Die Mutter ist unschlüssig, ob sie Gretel zu Fuß holen soll.

Es ist das Radl geworden. So haben Gretel und die Mutter ein wenig Bewegung, bevor es zu Hause Eiskakao für die Minderjährigen-Fraktion und Eiskaffee für die über achtzehn-jährigen gibt.

Die anschließende Aufteilung ist denkbar einfach. Hänsel schaut bei sich eine Dokumentation über einen beliebten ehemaligen Bayern-Spieler, im Wohnzimmer läuft mit kleinen rosanen und pinken Pferdchen das Kontrastprogramm. Die Mutter verweilt auf dem Balkon.

Abends wird Hänsel seine Mädels mit Pasta verköstigen. Die Mutter ist gespannt, welche Sauce der Junge dieses Mal dazu kredenzen wird und freut sich.

Als der Hunger kommt, ruft die Mutter Hänsel per Videocall an. In Katz-und-Maus-Marnier zeigt sie auf ihren geöffneten Mund und streichelt sich anschließend den Bauch. Der Junge weiß sofort, was los ist, und ignoriert seine vor Hunger eingehende Mutter. Er macht sich lustig über sie. Er lacht sie aus. Sie schneidet Grimassen. Beide sitzen sich mit ihren Telefonen gegenüber und lachen herzhaft.

Gretel schimpft. Sie versteht die Bewohner aus Entenhausen nicht mehr.

Das Essen ist fertig. Sauce gibt es keine. Überlebenschance gering. Der Koch hat keinen Hunger. Kein gutes Zeichen. Da er aber sowohl von Mutter als auch Schwester vom Teller stiebitzt, steigen die Überlebenschancen wieder deutlich an.

Nach dem Essen wird auf das Gewitter gewartet. Sie unterhalten sich über sichere Plätze während dem Naturspektakel. Daheim sind sie am sichersten, beschließen sie. Gut, dass sie zu Hause sind. Gleich ist das Gewitter da. Und die Kinder im Bett. Und die Mutter bei dem Cop-Autor-Duo.