Die Nerven der Mutter werden in besonderem Umfang getestet:

Nicht nur, dass der Vater der Kinder ganz offensichtlich die Woche Umgang, erneut, vergessen hat und nun ad hoc eine Betreuung organisiert, er holt die beiden auch erst nach der regelhaften Schlafenszeit ab und nimmt, erneut, keine Rücksicht auf die Wünsche und vor allem die Termine der Kinder.

Hinzu kommt, dass Hänsel seinen Wecker auf vier Uhr nachts gestellt hat. Eine Stunde in etwa hat die Mutter bis dahin geschlafen. Der Junge schaltet das Gepiepe schnell aus, startet aber dafür eine Geschichte.

In der Früh, es ist noch nicht einmal neun Uhr, vernimmt die Mutter ein weiteres Geräusch, aufgrund dessen sie wach im Bett liegt. Hänsel hat sein Tablet auf lauteste Lautstärke eingestellt. In dieser verkündet das Gerät nun, dass es geladen werden möchte.

Die Mutter ist es bereits. Genervt liegt sie im Bett. Wach. Neben sich die noch glückselig im Schlummerland verweilende Gretel, draußen Nässe und Grau. Sie selbst ist müde. So hatte sie sich ihren letzten Urlaubstag nicht vorgestellt.

Letzter Urlaubstag. Eigentlich hat sie auch für die nächsten beiden Tage Urlaub eingereicht. Allerdings ist sie sich sicher, dass ihre Vorgesetzten das nicht mehr auf dem Schirm haben. Ihre Überlegung war daher, dass sie ins Büro gehen wird, wenn der Vater die Kinder tatsächlich nimmt.

Vielleicht aber holt sie auch den fehlenden Schlaf nach, sind ihre heutigen Gedanken.

Liebevoll deckt sie ihre kleine Tochter zu. Sie sieht so niedlich aus, wenn sie schläft. Schon seit der Geburt der Kinder sieht die Mutter ihnen gerne beim Schlafen zu. Dass das Mädchen nun direkt neben ihr liegt, begünstigt das sehr.

Nach der Guten-Morgen-Kuschelstunde shoppen die drei gemeinsam. Hänsel benötigt neue Kleidung, beide Kinder einen neuen Schulrucksack. Einige Zeit und viele Euro später ist alles bestellt und wird rechtzeitig eintreffen. Lediglich Gretel wird mit einem schon vorhandenen Rucksack ins neue Jahr starten müssen – wenn denn der Vater sich an den fest vereinbarten Termin mit dem Kindergarten hält. Die Mutter ist skeptisch.

Nach dem Geldausgeben kuscheln die drei auf der Couch weiter. Statt Shopping gibt’s einen Film. Die Mutter sucht einen Film aus, der beinahe so alt ist, wie ihre Eltern. Es ist einer ihrer liebsten Kindheitsfilme. Auch die Kinder finden ihn toll.

Die Sachen für die Papa-Woche werden gepackt, die Mutter räumt ein wenig auf und dann geht der Kuschel-Marathon weiter. Erst bei eintretender Dunkelheit werden die beiden abgeholt. Freuen tut sich keiner so recht.

Gretel erzählt traurig, dass es nicht der Vater ist, der sich um alles kümmert, sondern dessen Freundin. Hänsel befürchtet, dass er sich, fernab seiner Freunde, fürchterlich langweilen wird. Die Mutter verspricht ihnen, dass sie jederzeit nach Hause kommen können.

Sie kuscheln weiter, bis der Vater kommt. Vielleicht.