Die Mutter wacht auf. Es ist ihre typische Zeit, draußen ist es nass, es regnet aber nicht mehr.

Innerlich ist sie unruhig. Sie freut sich, ihre beiden Chaoten heute wieder bei sich zu haben, wie sie aber mit dem Vater umgehen soll, weiß sie nicht. Wenn sie ihrer Intension nachgeben würde, käme sie ins Gefängnis. Das möchte sie, nüchtern betrachtet, nicht.

Erst einmal heißt es aber auch abwarten. Abwarten, ob der Vater die Kinder pünktlich bringt. Abwarten, ob der Vater die Kinder bringt.

Es ist 13 Uhr. Vereinbart war, dass die Kinder nun wieder zu Hause sind. Noch liegt die Mutter auf der Couch. Ohne Kinder. Und wieder einmal ohne Info.

Als auch eine halbe Stunde später weder Kinder noch Informationen eingetroffen sind, fragt die Mutter nach.

Erstaunlicherweise kommt relativ zeitnah eine Antwort. Er hat es vergessen. Sie sind bei ihm, er muss nachschauen, ob er sie früher als seine angedachten 18 Uhr bringen kann.

Die Mutter explodiert.

Fast eine Stunde später sind sie, entsprechend der Nachricht, auf dem Weg. Brauchen aber noch weitere neunzig Minuten.

Die Mutter explodiert erneut.

Eigentlich wollten die Kinder heute den ausgefallenen Geburtstagskuchen für Gretel backen. Das macht nun die Mutter allein. Wenn die beiden dann wieder zu Hause sind, wird der Kuchen fertig sein, sie können sich auf die Couch kuscheln, naschen und einen Film sehen.

Die Verabredung, die für Hänsel anstand, konnte glücklicherweise auf den nächsten Tag verschoben werden.

Was auch gut ist, denn auch die neu genannte Uhrzeit kann der Vater nicht einhalten. Und die verspätete wird ebenfalls neu justiert. Und auch die wird nicht eingehalten.

Erst kurz vor der vom Vater angedachten Uhrzeit klingelt es. Vater und Mutter reden nicht miteinander, die Kinder verabschieden und begrüßen.

Kaum zur Haustür hinein, bricht Hänsel in Tränen aus, weil er sich nicht gemeldet hat. Die Mutter nimmt ihren Sohn in den Arm.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass die Kinder gemeinsam mit dem Vater und dessen Freundin im Urlaub waren. Die Mutter ist fassungslos. Sie versteht nicht, warum der Vater das nicht einfach mitteilen kann. Im Vorhinein, so dass es gar nicht erst zu Missverständnissen kommt. Eine offene und vor allem ehrliche Kommunikation würde alles so viel einfacher machen. Für alle Beteiligten.

Hänsel drückt seine Mutter fest an sich. Gretel gesellt sich hinzu. Beide sind froh ihre Mami wieder bei sich zu haben. Auch die Mutter ist glücklich, ihre Frechdachse zu Hause zu wissen.

Gemeinsam naschen sie den Kuchen, schauen Kinderserien und kuscheln miteinander.

Heute geht es früh ins Bett, morgen steht Gretel der nun wirklich erste Tag im neuen Kindergarten bevor.

Hänsel möchte seine Schwester gerne mit dorthin begleiten. Danach wird der Schulweg abgefahren und geschaut, mit wem er in eine Klasse kommt.

Entspannt lehnt sich die Mutter zurück. In jedem Arm ein Kind.