Die Mutter wacht auf. Der Blick auf ihr Handy versaut ihr direkt den Tag: „Drama, Drama, Drama. Kann die Kinder nicht holen. Hole sie nächstes WE.“

Gut, dass der Vater die Kinder dieses Wochenende nicht holt, ist das eine. Da kann die Mutter wenig machen. Dass er mit einer Selbstverständlichkeit davon ausgeht, wegen dem kommenden nichts absprechen zu müssen, sondern die Kinder sich klanglos seinem Willen beugen und ihre Termine verschieben werden, ist jedoch etwas anderes und macht die Mutter wütend.

Dieses Verhalten ist nicht neu, dennoch ist die Mutter von der Dreistigkeit des Vaters immer wieder überrascht.

Über die Tatsache, dass der Vater seine Kinder in den sechs Wochen nach dem Unfall der Mutter nicht einen extra-Tag zu seiner jedes-dritte-Wochenende-Regelung genommen hat, Gretel lediglich drei Mal zum Kindergarten brachte oder abholte und er jetzt auf Grund von Krankheit einfach komplett den Umgang absagt – darüber versucht sie nicht nachzudenken.

Stattdessen spricht sie mit den Kindern. Diese kommen nun zu ihren geplanten Terminen mit. Wirklich traurig sind sie nicht, sie freuen sich auf den Ausflug mit der Mutter.

Die drei machen sich auf den Weg. Hänsel darf heute mit dem Fahrrad der Mutter zur Schule fahren. Die Mutter läuft, Gretel fährt mit ihrem Rad.

Der Arbeitstag ist arbeitsintensiv und vergeht schnell. Deutlich später als geplant verlässt die Mutter das Büro, um ihre Tochter abzuholen.

Gretel hat sich in der Früh gewünscht, früher abgeholt zu werden. Davon weiß sie nun nichts mehr. Sie geht dennoch mit.

Zu Hause treffen sie noch kurz auf Hänsel. Mit seinem neuen Roller rast er zu einem Freund. Die Jungs freuen sich auf einen entspannten Nachmittag auf der Pumptrack. Die Mutter hofft auf einen verletzungsfreien Ausgang des Tages und genießt den sonnigen Nachmittag mit Gretel.

Die beiden wollen nur mal eben bei einer Freundin etwas vorbeibringen. Daraus wird ein Nachmittag im Garten, quatschen für die Eltern und spielen für die Kinder.

Als die Mädels sich auf den Weg zum Einkaufen machen, treffen sie das nächste bekannte und lang nicht mehr gesehene Gesicht. Ein weiterer Plausch ist die logische Schlussfolgerung.

Viel später als gedacht, aber immerhin mit Proviant für die Wochenend-Wanderung, kommen die beiden heim.

Hänsel darf noch draußen bleiben, mit ihm haben sie nicht gerechnet. Zumindest die Mutter nicht. Gretel ist empört, dass er noch unterwegs ist.

Erledigt wirft sich das Mädchen auf die Couch und befiehlt Alexa, eine Geschichte abzuspielen. Die Mutter kocht in der Zwischenzeit und bereitet vorsorglich die Brotzeit für den kommenden Tag. Die zwanzig Minuten wird sie länger schlafen können, was allen Beteiligten zu Gute kommen wird.

Mit Hänsel gemeinsam wird später noch eine Folge der blonden Hexe geschaut, bevor alle ins Bett gehen. Der Wecker wird auch morgen klingeln.