Die Mutter öffnet die Augen. Es ist noch dunkel. Auf der Straße hört sie dennoch bereits Autos fahren. Es ist deutlich zu hören, dass der Asphalt nass ist. Ob es regnet, vermag sie nicht zu entscheiden, die Anzeichen aber sind da. Vorbei ist es mit dem schönen Wetter. Sie seufzt.

Nachdem sie sich aus dem Bett gequält hat, macht sie sich erst einmal einen Kaffee. Bis abends hat sie heute frei. Gretel wird nach dem Kindergarten zu einer Freundin gehen und Hänsel sieht sie nur, wenn er nach der Schule auf direktem Weg nach Hause kommt. Und selbst dann nur kurz.

Gretel findet das blöd. Sie freut sich auf ihre Freundin und die gemeinsame Pizza, ist sich aber sicher, die Mutter zu vermissen. Dass diese sie nach ihrem Termin abholen wird, weiß das Mädchen, ignoriert es jedoch.

Hänsel ist alles egal. Wer zu Hause ist, wen er sieht, alles wurscht, solange er in Ruhe gelassen wird. Auch das Wecken in der Früh findet er eher lästig. Die Frage seines Schulfreundes, ob sie gemeinsam mit dem Auto in die Schule fahren wollen, tangiert ihn ebenfalls nicht. Für Hänsel ist alles doof.

Die Mutter wird ihren freien Tag genießen. Eigentlich wollte sie Sport machen, ob das bei dem Wetter eine gute Idee ist, wird sie spontan auf dem Weg zum Kindergarten entscheiden. Ein Couchtag wäre eine ebenso gute Option.

Kurzerhand müssen doch fünfzehn Kilometer dran glauben. Nass bis auf die Haut kommt die Mutter wieder heim. Sie drückt den Knopf zum Glück, kuschelt sich mit dem Kaffee auf die Couch und startet eine Sitcom.

Nachmittags – die Mutter hat immer noch sturmfrei – schließt sie endlich ihre Steuerklärung ab. Gespannt, ob sie etwas nachzahlen muss oder doch etwas zurückbekommt, drückt sie auf den „Senden“ – Button. Anschließend bereitet sie sich auf ihren Abendtermin vor.

Der ist sehr informativ, aber macht sie müde. Was sich beim Abholen von Gretel bemerkbar macht. Die Mutter möchte nur noch heim, am liebsten direkt ins Bett und schlafen. Das Kind sieht es anders.

Obwohl die Mama der meistens-besten-Freundin versprochen hat, dass Gretel vollkommen erledigt sein müsste, tobt das Mädchen durch die Wohnung. Von einem Wunsch nach Pause ist die Kleine Lichtjahre entfernt.

Dennoch bekommt sie den Auftrag, sich bettfertig zu machen. Bereitwillig erfüllt sie diese Aufgabe, bevor sie sich das Outfit für den nächsten Tag zusammenstellt.

Die Mutter bringt ihre Tochter ins Bett. Schnell verlässt sie das Kinderzimmer jedoch wieder – würde sie weiterkuscheln wäre es sie selbst, die einschläft.

Gleich kommt Hänsel heim. Auch von ihm möchte sie wissen, wie sein Tag verlaufen ist. Anschließend wird sie sich kurz auf die Couch legen, um schon eine Sitcom-Folge zu schauen und dann auch bald ins Bett gehen.

Bald ist Wochenende. Bald können sie ausschlafen.