Der Elternabend hängt der Mutter noch ein wenig nach. Der Lehrer ist super, sie freut sich sehr für ihren Sohn. Die Umstände aber beunruhigen sie. Die Schule bereitet sich darauf vor, eventuell bis Schuljahresende auf Grund von virtuellem Unterricht keine Noten vergeben zu können. Schuljahresende. Das aktuelle Schuljahr ist erst drei Wochen alt und er redet bereits von bis zum Schuljahresende.

Vielleicht ist die Mutter aber auch insgesamt ein wenig anfällig für solch feine Nuancen. Die Nacht verläuft entsprechend.

Gretel kommt zur Mutter gekuschelt.
Ihre Erkältung ist schlimmer geworden. Morgens läuft ihre Nase wie verrückt. Gut, dass sie heute nicht mit dem Fahrrad zum Kindergarten fahren werden. Die Mutter muss in die Stadt und möchte das bei dem Wetter lieber mit dem Auto erledigen. Gretel freut sich.

Hänsel ist längst unterwegs. Mit dem Fahrrad. Er liebt es. Wenn auch sein Freund ihn bei dem aktuellen herbstlichen Wetter nicht begleitet.

Nur eine Stunde, nachdem die Mutter Gretel im Kindergarten abgegeben hat, kommt der Anruf. Ihrer Tochter geht es nicht gut, sie möchte sie bitte abholen.

Nun ist es also soweit: Ihr Kind darf erst wieder in die Einrichtung, wenn es mindestens achtundvierzig Stunden symptomfrei ist. Ein Vorschulkind, im Herbst. Die folgenden Monate werden Mutter und Tochter offensichtlich zu Hause verbringen.

Ein Termin beim Kinderarzt ist vereinbart, ein Kuscheltag am nächsten Tag geplant. Und für die darauf folgenden Tage ebenfalls – für diese Woche ist Gretel ärztlich attestiert krank.

Allerdings benimmt sich das Mädchen nicht so. Noch nicht. Fröhlich hüpft sie mittags durch die Pfützen, singend tanzt sie mit ihrem Regenschirm über die Wege.

Nachmittags merkt man dem Kind die Erkältung deutlich an. Sie ist ruhig und bleibt auf der Couch. Auch ihre Körpertemperatur steigt ein wenig an.

Die Mutter indes friert. Und hat Halsschmerzen. Kopfschmerzen sowieso. Weitere Erkältungssymptome treten nun auch bei ihr auf.

Die beiden liegen, in zwei dicke Decken gekuschelt, auf der Couch und schauen Kinderserien. Abwechselnd husten und niesen sie.

Gespannt wartet die Mutter auf Hänsel. Begeistert von der Lethargie seiner Mädels wird der Junge nicht sein. Vielleicht räumt er freiwillig sein Zimmer auf, fantasiert die Mutter.

Stattdessen schläft die Mutter, als der Junge heimkommt. Beide Kinder lassen sie in Ruhe.

Mit Hänsel muss sie noch etwas erledigen, bevor sie sich anschließend wieder zu Gretel und dem König der Löwen gesellt.

Zu dritt sitzen sie auf der Couch, niesen, husten, essen, kämpfen gegen die Müdigkeit, trinken Kinderpunsch und lassen die Welt für den restlichen Tag einfach mal draußen.