Die Mutter träumt grade von Schuhen, als der Wecker sie zurück in die Realität holt. Nach einigen Momenten der Verwirrung hat sie ihr Sein ebenso wie ihre Gedanken wieder geordnet.

Müde greift sie zum Handy. Es blinkt. Eine Nachricht vom Vater der Kinder. Warum gleich in der Früh? Er bedankt sich für den Reminder, den sie geschickt hat und kümmert sich. Ah ja. Ist ja nicht so, als hätte er seinen Kopf nur, damit es nicht in seinen Hals regnet. Diese Masche, ignorieren bis es vergessen wird, ansonsten wird sicher nochmals nachgefragt, hat die Mutter schon immer gelangweilt. Aber es geht nur um seine Kinder, die kann man schon mal über Wochen ignorieren.

Da die Laune nun sowieso am Tiefpunkt weilt, checkt sie auch gleich ihre Mails. Zum Glück weiterhin keine Nachricht von der Schule. Das wird sich wohl im Laufe des Tages ändern.

Sie steht auf, sie braucht ganz dringend einen Kaffee. Und Urlaub. Wie sehr, wird sie schon bald erfahren.

Kaum im Büro angekommen, überschlagen sich die Neuigkeiten. Die Schule wird ab Montag in den täglichen Wechsel zwischen Präsenz- und Digitalunterricht gehen, vom Kindergarten hört sie nichts. Die Mutter hofft, dass die Kinder zumindest die gleichen Tage betreut werden. Das erfährt sie hoffentlich, wenn sie ihre Tochter später abholt.

Erst einmal aber fährt sie nach Hause. Abgesehen von rasenden Kopfschmerzen, die sie immer noch hat, braucht sie eine Pause.

Zu sehr erinnert sie die momentane Lage an den Anfang dieses Wahnsinns. Die Aussage eines Zuständigen, er könne es nicht mehr mit Sicherheit ausschließen, dass die Schulen erneut komplett und flächendeckend geschlossen werden, hat ihr den Rest gegeben.

Vom Vater der Kinder wird sie auch dieses Mal keine Unterstützung erwarten können. Für ihn ist es schon anstrengend genug, dass er nun doch noch nach der Lieblingsmaske seiner Tochter schauen soll, von der sich Gretel sicher ist, dass er sie in den Müll geschmissen hat, er es aber weiterhin abstreitet.

So hat jeder seine Prioritäten: Die Mutter die Kinder, der Vater seine Lügen.

Am Nachmittag stehen die Zeiten für beide Kinder fest. Eines geht im tageweisen Wechsel, eines im halbwöchentlichen Rhythmus.

Die Kopfschmerzen werden nicht besser. Wie froh sie ist, dass nun Wochenende ist, kann sie nicht in Worte fassen.

Vorsichtshalber schickt sie Hänsel los, damit er einen Sekt kaltstellt. Gerne läuft der Junge los und erfüllt diesen Wunsch.

Anschließend verkriecht er sich mit Gretel in seinem Zimmer und gönnt der Mutter so Ruhe. Und sich selbst und seiner Schwester ein paar Folgen Kinderserien.

Für abends wünschen sich die Kinder Kuschelkino. Vielleicht gemeinsam mit der Mutter, vielleicht aber auch allein im Kinderzimmer. Sie sind sich da noch nicht einig.

Die Mutter hängt währenddessen mit ihren Freunden in der New Yorker Bar und ist, was den Ort des Films angeht, sehr entspannt. Sekt ist kalt.