Die Mutter steht früh auf. Hänsel springt zu dem Zeitpunkt bereits fröhlich durch die Wohnung. Um kurz nach sechs Uhr. In der Früh. Am Tag der Schulaufgabe. Das muss die Mutter erst einmal verarbeiten.

Auch Gretel, die darum bat, früher geweckt zu werden, ist nach dem Aufstehen gut gelaunt. Enthusiastisch singt sie vom immergrünen Weihnachtsbaum, viel zu früh sind sie am Kindergarten.

Als die Mutter wieder zu Hause ankommt, ist sie immer noch ganz irritiert.

Sie setzt sich an ein Projekt, auf das sie sich schon lange gefreut hat. Die Grundfassung steht schnell, die Feinheiten kommen später. Zwischendurch sind zwei online Meetings zu absolvieren, bevor sie pünktlich und zufrieden ihren Arbeitstag beendet.

Es klingelt. Hänsels Schlüssel ist in den Aufzugschacht gefallen.

Also machen sich die beiden auf die Suche nach jemandem, der ihnen helfen kann. Einen Tipp erhalten sie, allerdings ist derjenige offensichtlich nicht da.

Kurz darauf stehen Oma und Gretel vor der Tür. Das Mädchen hat heute ihren Folgetermin beim Augenarzt.

Voller Begeisterung nötigt das aufgeregte Mädchen ihre Mutter, das ersehnte Rezept in der Hand, einen ordentlichen Betrag beim Optiker auszugeben. Am liebsten würde das Kind die Brille sofort mitnehmen. Traurig sieht sie ihre Mama und den Optiker an, als sie erfährt, dass sie zwei Wochen, zwei laaaaange Wochen, auf die fertige Brille warten muss.

Auf dem Heimweg versendet die Mutter Fotos von dem glücklichen Mädchen, die das Gestell der Wahl stolz trägt. Von allen kommt eine Reaktion. Fast. Der Vater hat offensichtlich auch an diesem Erlebnis seiner Tochter kein Interesse.

Hänsel erklärt der Mutter überzeugt, dass das ja wohl klar war und fragt genervt, warum sie ihm das Bild überhaupt geschickt habe.

Das Wochenende möchte der Junge dennoch bei seinem Vater verbringen.

Die Mutter wird das Gefühl nicht los, dass der Junge das ihr zuliebe tut, gibt die Info der Abholzeit aber trotzdem weiter.

Gretel und die Mutter haben beim Bäcker Brotzeit geholt. Auch darüber freut sich Hänsel sehr. Nicht nur, dass er Leberkässemmeln liebt, er muss nun wieder nicht kochen.

Nach dem Essen springt er daher auf und geht noch eine Nachspeise holen. Ein paar Vitamine wird er ebenfalls mitbringen, kündigt er an.

Währenddessen spielt Gretel in ihrem Zimmer, hört Geschichten für Teenager und ist entspannt. Die Mutter überlegt, was sie alles mit ihrem überraschend freien Wochenende anstellen wird.

Da tanzen, feiern, spontan in Urlaub fahren und Barhopping nicht möglich ist, wird es wohl auf viel schlafen, viel Kunstdieb und viel Couch hinauslaufen. Zudem steht ein Projekttreffen statt. Sie freut sich.

Jetzt aber gibt es erst einmal Weihnachtsschokolade. Mit Schokobauch spielen die Kinder in ihren Zimmern, Hänsel probiert noch einmal den Schlüssel-aus-dem-Aufzugschacht-Herausholer zu erreichen.

Der ist zwar zuhause, isst aber grade. Wenig später, wie versprochen, kommt er Hänsel abholen. Und nimmt Gretel ebenfalls mit. Gemeinsam holen sie den Schlüssel aus dem Schacht.

Und weil Hänsel den Schlüssel so toll hat fallen lassen, wird er belohnt. Mit Schokolade, Kugelschreiber und Taschenlampe kommt er wieder heim. Immerhin hat er seine Schwester und den Schlüssel auch wieder mitgebracht.

Die Mutter redet leise vor sich hin. „Bald ist Schlafenszeit. Das Wochenende ist kinderfrei. Noch einmal schlafen. Du liebst die beiden. Es ist nur eine Phase.“