Quarantine-Day.

Da sind sie nun. Hänsel, Gretel, die Mutter und die Quarantäne. Während das kleine Mädchen noch damit zu kämpfen hat, dass der Grinch einfach so mirnichtsdirnichts Weihnachten geklaut hat, kämpft die Mutter darum, einen Kaffee zu bekommen.

Eigentlich war der schulfreie Tag als Mutter-Sohn-Tag geplant. Wie schon die letzten Jahre hatten die beiden vor, frühstücken zu gehen. Als die Gastronomie schließen musste, beschlossen sie, sich stattdessen Frühstück zu bestellen.

Nun wird aus dem Mutter-Sohn-Tag also kurzerhand ein Familientag. Und das Frühstück wird selbst gemacht. Aus dem Frühstück wird eher ein Brunch. Oder ein Mittagsessen. Und eigentlich machen sich die Kinder ein Müsli. während die Mutter ihre Besprechung hat. Aber von Anfang an:

Erst einmal checkt die Mutter ihre Mails. Vielleicht ist das Ergebnis ja schon da, hofft sie. Ist es aber nicht. So wartet sie auf ihren Kaffee und absolviert ein Meeting, mit Hintergrundbeschallung in Form von viel zu lauten Geschichten.

Kurz nach der Besprechung ist das Test-Ergebnis dann doch schon da: Sowohl Hänsel als auch die Mutter sind negativ. Freude macht sich breit, eine Fahrradtour wird geplant. Gretel wird morgen in den Kindergarten gehen.

Nach einem Anruf in der Schule jedoch steht fest, dass Hänsel trotz negativen Testergebnis morgen nicht in die Schule gehen darf. Erst, wenn er 24 Stunden lang symptomfrei ist (die Liste der Symptome ist umfangreich), kein Fieber entwickelt hat und ein negatives Testergebnis vorweisen kann. Ein „Oder“ ist in diesem Fall nicht ausreichend.

So harrt er der Dinge die da kommen, in der Hoffnung, dass er am Freitag wieder in die Schule gehen darf. Die Mutter ebenfalls.

Jetzt aber wird die Sonne genossen. Zumindest kurz. Denn Hänsel muss schon bald wieder zurück nach Hause. Ihm geht’s nicht so gut. Die Mädels machen die Runde noch fertig und kehren dann ebenfalls zurück.

Ein kleiner Abstecher auf dem Spielplatz ist für Gretel noch drin, Hänsel möchte nicht hinzukommen. Er zieht das elektronische Spielen in den heimischen Wänden vor.

Wieder zurück, kocht die Mutter. Essen, nicht vor Wut. Offensichtlich jedoch nur für sich, denn beide Kinder haben keine Lust auf die gewünschte Bolognese. Sie wollen viel lieber mit dem neuen Spielzeug der Mutter spielen. Sie hat sich ein nettes Accessoire für ihre Tätigkeit zugelegt, ausprobiert wird das Ringlicht nun ausgiebig von der Selfie-liebenden Gretel.

Sowohl Tochter als auch Mutter haben mit den entstehenden Bildern viel Spaß.

Hänsel geht es inzwischen schlechter. Nicht wirklich körperlich, aber die Symptome treten wieder vermehrt auf. Die Hoffnung, auf einen kinderfreien Freitagvormittag schwindet. Sollte es Hänsel morgen nicht besser gehen, werden sie doch beim Arzt vorbeischauen.

Die Kinder lauschen in ihren Zimmern der immer noch viel zu laut eingestellten Geschichte, die Mutter erledigt einige Dinge, bevor sie zum Kollektivkuscheln aufruft. Allerdings muss Gretel in diesem Fall für sich und ihren Bruder herhalten, denn die Bazillen, die von dem Jungen ausgehen, sollen nicht auf die Mädels übergehen. Noch grinst Hänsel – ignorierend, dass es ihm schon bald wieder gut gehen wird und die Kuschelattacken dann nachgeholt werden.

Der heutige Tag verläuft ganz anders als geplant. War Hänsel in der Früh noch traurig, so erzählt er abends dennoch, dass er einen schönen Tag hatte. Auch Gretel hat die Stunden genossen. Die Mutter war ein wenig zerrissen, zwischen sich Zeit für die Kinder nehmen und ich einer langen to-do-Liste. Alles in allem aber genießen die drei genau diesen Mix.

Weniger genießen sie, dass immer noch keine Rückmeldung zu ihren nassen Wänden eingegangen ist. Denn dadurch werden sie nicht besser, auf Schimmelbildung haben sie keine Lust. Reaktionen erhalten sie keine.

Aber es wären ja nicht die drei, wenn nicht an einer Ecke mindestens ein kleines bisschen Wahnsinn sitzen würde.