Frisch geduscht kuschelt sich die Mutter ins Bett. Aus der Richtung der Kinderzimmer dringt eine Geschichte, als sie sich, nicht mehr frierend, in die Kissen wirft und mit ihren beiden Decken zudeckt. Entspannt schaltet sie den Fernseher ein und startet ihren Lieblingsfilm. 238 Minuten Me-time für sie. Die Kinder sind instruiert, in ihren Zimmern zu bleiben. Ob sie sich dran halten? Man weiß es (noch) nicht.

Am nächsten Morgen ist sie schlauer. Gretel kommt etwa elf Mal zur Mutter rüber. Um ihr zu sagen, dass sie sie lieb hat. Um ihr zu sagen, dass sie sich auf Weihnachten freut. Um ihr zu sagen, dass sie sich auf ihre Freundin freut. Um sie zu fragen, welches Türchen sie als nächstes öffnen darf. Um zu fragen, wie viele Türchen sie noch öffnen darf. Um zu fragen, wie lang es noch dauert – bis Weihnachten und bis ihre Freundin kommt. Um zu berichten, dass sie nicht schlafen kann. Um zu sagen, dass sie ihre Mami sooooo sehr liebt (dabei streckt sie ihre Arme so weit wie sie nur kann auseinander).

Die Mutter bekommt vom Film nichts mit. Macht aber nichts, weil die Verbindung zum WLAN offensichtlich wieder auf Kriegsfuß mit dem TV steht und mehr lädt als abspielt. Entnervt schaltet sie den Film irgendwann zwischen „Mami, welches Türchen darf ich morgen öffnen?“ und „Mami, wann ist denn jetzt endlich Weihnachten?“ auf ihre Einschlafserie um.

Morgens hat sie zu wenige Stunden geschlafen, ist müde und wünscht sich das Wochenende herbei. Noch einmal schlafen.

Mit einer leichten Genugtuung im Blick weckt die Mutter ihre Tochter. Diese möchte bitte weiterschlafen, die Mama möge sie in Ruhe lassen. Ähm, ja.

Später steht das Mädchen doch auf. Dass sie in den Kindergarten muss, findet sie zwar blöd, aber mit dem Roller möchte sie fahren. Und natürlich das Türchen am Adventskalender öffnen. Wo zum Henker versteckt sich diese 3?

Auch Hänsel steht am Kalender. Er allerdings eher cool und lässig als aufgeregt. Er muss erst zur zweiten Stunde in der Schule sein und chillt daher noch eine Runde, als die Mädels aufbrechen.

Dem Tochter-Abliefern schließt die Mutter einen Spaziergang an. Gemütlich spaziert sie die Wege entlang und hält einige Augenblicke auf Fotos fest.

Nachmittags, es sind inzwischen wieder alle zuhause, macht jeder was er will. Gretel hört lautstark Laternen-Lieder, Hänsel schnippelt Gemüse und die Mutter, die friert zur Abwechslung wieder ein wenig.

Nach dem Abendessen, wenn die Kinder ins Bett verfrachtet worden sind, startet das frierende Stück Frau einen neuen Versuch mit ihrem Lieblingsfilm. Ein Sekt steht kalt, so für den Notfall.


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