Heute schlafen sie alle aus. Fröhlich und gut gelaunt wird in den Tag hineingekuschelt, bevor die Kinder ihrer Mama freiwillig einen Kaffee zubereiten.

Schnell wird der Tagesplan über den Haufen geworfen, nachdem Hänsel die Anfrage seines besten Freundes erhält, ob er Zeit habe. So wird aus dem Familienspaziergang ein Mädelsspaziergang.

Gretel genießt die volle Aufmerksamkeit ihrer Mutter, sowohl draußen als auch später beim Essen. Das Mädchen erzählt und erfindet Geschichten, sie singt und macht Quatsch. Anschließend fällt ihr ein, dass sie ganz dringend das Geschenk für Onkel & Tante fertig machen muss. Stattdessen aber kommt sie eine Weile später mit einem Abbild ihrer Mutter zu dieser zurück. Gretel hat ihre Mutter als Prinzessin gemalt. Mit pinken Haaren, einer roten Nase und einem türkisfarbenen Kleid an.

Die Mutter schmunzelt. Fest drückt sie ihr kleines großes Mädchen an sich und lässt sich die Entstehungsgeschichte des Bildes erzählen.

Viel früher als gedacht, es ist noch gar nicht richtig dunkel, schließt Hänsel die Wohnungstür auf. Während mittags ein gut gelaunter Junge das Haus verlassen hat, kommt ein Miesepeter zurück. Er nimmt sich sein Essen, bringt ein leises „Danke“ über die Lippen und verschwindet in seinem Zimmer.

Dass die Kinder noch ihr in der Küche angerichtetes Chaos in Ordnung bringen sollen, ignorieren sie beide. Aus den Kinderzimmern dröhnen Geschichten, beide beschäftigen sich für sich allein. Die Mutter sitzt in der heißen, lauten Hölle und überlegt sich, wann und wie sie die Geschenke einpacken soll.

Aktuell sieht es gut aus, dass sie Weihnachten doch nicht mit ihrem Ungetüm feiern müssen. Es sind aber noch knapp 72 Stunden, die Mutter möchte daher nichts verschreien.

Mit dem Mama-ist-eine-Prinzessin-Bild neben sich versucht sie sich an den Weihnachtskarten, die sie dieses Jahr schreiben wollte. Als sie zugibt, dass ihr schlichtweg die Motivation fehlt, bereitet sie sich einen Kaffee zu und stellt sich, in ihre Lieblingskuscheldecke eingepackt, für einen Augenblick auf den Balkon. Tief atmet sie die kalte Luft ein und schaut traurig zum Himmel.

Die Kinder streiten. Türen knallen. Tränen fließen.

Nach dem Kaffee mit ihrer Oma startet sie einen Versuch, die Kinder zusammenzubringen. Erfolglos. Macht aber nichts. So nimmt sie sich ein Buch und liest.


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