Abends, die Mutter ist nur wenige Sekunden vom Einschlafen entfernt, steht Gretel an ihrem Bett. Das Mädchen kuschelt sich zu ihrer Mama, deckt sie zu und gibt ihr ein Küsschen. Ganz fest nimmt sie sie in den Arm, so dass die Mutter sich umdreht und ihre Tochter fragt, was los sei. Die herzzerreißende Antwort, sie würde sie jetzt brauchen, begründet ein langes Mutter-Tochter-Kuscheln. Im Anschluss daran schleicht Gretel zurück ins Bett, die Mutter liegt hellwach in ihrem.

Lange dauert es, bis sie eingeschlafen ist. Grade in dem Moment, in dem sie sich morgens noch einmal umdrehen möchte, klingelt ihr Wecker. Eine ihrer Lieblingsbands singt sie aus dem Schlaf und erinnert sie daran, dass sie zum Arzt muss.

Vorsichtig wirft sie die Decke so zurück, dass sie Gretel – inzwischen liegt das Mädchen wieder neben ihr – nicht aufweckt. Die Kinder wissen Bescheid, beide können weiterschlafen. Müde macht sich die Frau auf den Weg zur Praxis. Es ist dunkel draußen, irrsinnig glatt, aber immerhin nicht so kalt wie befürchtet.

Die Praxis ist gut strukturiert, so dass die Mutter gut planen kann, wie lange sie braucht. Hänsel ist bei ihrer Rückkehr bereits aufgestanden, Gretel schläft noch. Die Mutter startet die Kaffeemaschine und den Rechner.

Noch sitzt sie allein im Büro, ihr Sohn hat erst zur dritten Stunde Unterricht und verbringt daher die verbleibende Zeit in seinem Zimmer. Auch für die Mutter steht für heute Lernen auf dem Programm.

Bevor sie starten kann, muss der Kaffee erst einmal seine Wirkung entfalten. Bis dahin schaut sie sich die Bilder an, die Hänsel am Vortag kreiert hat. Sie lächelt. Viele der Bilder haben Kaffee zum Thema, einige die Aufforderung zu Hause zu bleiben. Im Anschluss vereinbart sie die ausstehenden Arzttermine, bis sie dann letztendlich auch mit dem Lernen beginnt. Die inzwischen fitte Gretel räumt währenddessen ihr Zimmer auf.

Der Arbeitstag wird für beendet erklärt, als die Kinder das Mittagessen servieren. Die drei lassen sich das Schnitzel schmecken und verbringen den Nachmittag quatschend in ihrem neuen Wohnzimmer. Eigentlich wollten sie raus gehen und in der Sonne spazieren gehen, die Unterhaltung tut aber mindestens genauso gut.

Abends gestaltet Hänsel weitere Bilder, Gretel macht ihre Mutter zur Oma von Tobi, dem Bären und Lisa, der Meerjungfrau. Zwar fühlt sich die Mutter zu jung, um Oma zu sein, das aber wird von Gretel ignoriert. Lachend legt sie ihrer Mutter das hungrige Bärenkind in den Arm.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass sie noch einige Zeit Oma bleiben wird, bevor sie, ganz muttermäßig und gar nicht wie eine Oma, darauf bestehen wird, dass die Kinder ins Bett gehen. Bis dahin werden die drei allerdings noch viel mit- und übereinander lachen.


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