Schon vor dem Weckerklingeln sind Hänsel und seine Mutter wach. Gretel schläft auch heute den Schlaf der kleinen Mädchen entspannt in dem Bett ihrer Mama.

Die Frau setzt sich schon früher als gedacht den Rechner, Hänsel aber tut sich merklich schwer. Sonst eher der sommerliche Typ friert der Junge fürchterlich. Von der inzwischen fitten Gretel wird er mit Decken und kaltem Tee versorgt. Von der Mutter wird er in die Decken eingewickelt und bekommt zudem einen heißen Tee. Das Angebot, den Schulunterricht auf der Couch zu folgen schlägt die Frostbeule aus.

Die zweite Schulstunde sitzen die drei so an ihrem Tisch, jeder ist mit seinen Aufgaben beschäftigt. Zwischendurch erhält die Familie noch den Termin für den Kostenvoranschlag der Schönheitsreparaturen des Wasserschadens. Es scheint, dass zumindest diese Geschichte nach inzwischen schon drei Monaten langsam zum Ende kommen wird.

Draußen schneit es. Die Kinder, mehr Gretel als Hänsel, möchten nach dem Unterricht Schlitten fahren gehen. Ob der Schnee sich bis dorthin halten wird, kann die Mutter nicht versprechen und macht ihr Mädchen damit ein wenig unglücklich. Verständnislos stapft sie in die Küche, um sich einen Kakao zu machen. Auch die Mutter drückt nochmals auf ihr Knöpfchen zum Glück. Währenddessen beobachtet sie das Schneetreiben vor dem Fenster. Es hat den Anschein, als käme sie um die Schlittenfahrt nicht herum.

Nachdem die Kinder sie erst gequält haben, indem sie direkt vor der hungrigen, aber nichts-essen-dürfenden Mutter ihr gut riechendes Mittagessen verschlingen, ziehen sie sich an. Es schneit nun schon seit Stunden, die Straßen sind weiß. Mit dem Schlitten im Gepäck schlendern die drei zum Rodelhügel. Dort angekommen verschwinden die Kinder auf den Pisten und lassen ihre Mutter einsam stehen.

Erst als es dunkel wird verlassen sie die Piste. Bis dahin sind die Kinder eingeseift, ihre Haare eingefroren und die Schneesachen nass. Die Mutter verfrachtet den Nachwuchs in die Badewanne und versucht sich vom immer stärker werdenden Hunger abzulenken. Noch etwa 42 Stunden muss sie durchhalten, ein Kaffee wird ihr jetzt vielleicht helfen.

Aus dem Badezimmer kommen Laute der Freude. Die Kinder spritzen sich gegenseitig mit Wasser nass, tauchen sich unter und machen eine Challenge, wer die krassesten Moves drauf hat. Was auch immer sie da spielen, sie haben Spaß und auch die Mutter hat ein Grinsen im Gesicht. Und ihre Ruhe.

Vor dem Schlafengehen toben sich die Kinder ein weiteres Mal aus und fallen anschließend glücklich ins Bett. Die Mutter ebenso.


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