Am Abend packt die Mutter noch der Ordnungswahn. Sie repariert eine Schublade im Badezimmer sowie die Duschkabine, sie saugt Staub und wischt Wohnzimmer und Küche und sie findet in den Tiefen ihres Schrankes Arbeit für den Opa. Ihr ist wieder eingefallen, dass sie noch Lampen aus der vorherigen Wohnung hat, die nun im Wohnzimmer angebracht werden können.

Auch Gretel wird ehrgeizig und fährt schwere Geschütze auf. Sie leiht sich das Handy ihrer Mama aus und schickt der Oma kurzerhand eine Sprachnachricht. Sie bittet um Hilfe beim Aufräumen. Die Mutter hängt emotional zwischen Stolz und Entsetzen. Stolz, weil ihre Tochter sich zu helfen weiß und ihr Problem völlig pragmatisch angeht, Entsetzen, weil sie darauf schlicht nicht vorbereitet war. Und nicht mit gerechnet hat. Eigentlich räumt das Mädchen am liebsten allein auf. So sieht niemand, dass sie vorwiegend spielt. Aber Gretel möchte ihr Zimmer umgestaltet haben, da werden alle Register gezogen.

Hänsel sitzt bis nach Schlafenszeit an seinem Referat. Immer wieder trägt der Junge seine Arbeit stolz seiner Mama vor. Immer wieder sieht er sie fragend an, wie er Wörter wie „Invincible“ oder „Immortal“ ausspricht. Stolz hört die Mutter ihrem Sohn zu. Nicht nur, dass er sich für seinen Vortrag ihren Lieblingssänger ausgesucht hat, er hat die Informationen auch alle allein zusammengetragen und präsentiert sie nun souverän. Bis auf die wenigen schwierigen Wörter, die er aber dennoch nennen möchte. Er strebt eine (sehr) gute Note an.

Die Ausschalt-Automatik der Wohnzimmerlampe erinnert die Mutter daran, dass es auch für sie Schlafenszeit ist. Sie legt sich ins Bett, kann aber noch nicht einschlafen. Das merkt sie am nächsten Morgen. Der Wecker reißt sie aus ihren Träumen, der Wille aufzustehen fehlt aber noch. Irgendwann schafft sie es und schmeißt ihren Sohn aus dem Bett. Der sitzt kurze Zeit später ihr gegenüber – und geht nochmals seinen Text durch. Die Mutter ist beeindruckt. Und teilt dem Jungen das auch mit.

Leise ertönt ein weiteres guten Morgen aus der Ecke. Es ist noch nicht mal neun Uhr und das kleine aufgeregte Gretelchen steht in der Tür. Sie möchte wissen, wann denn die Oma zum Aufräumen kommt. Dass der Zeitpunkt an ihrer typischen Aufstehzeit orientiert ist, betrübt sie. Sie legt sich auf die Couch und träumt vor sich hin, während Bruder und Mama arbeiten.

Als die Oma dann endlich vor der Tür steht, freut sich das Mädchen. Die Oma hat weiße Farbe für das Wohnzimmer mitgebracht und hilft ihr fleißig beim Aufräumen. Währenddessen hält Hänsel souverän sein Referat und die Mutter verzweifelt an der Technik. Plötzlich geht es Gretel nicht mehr gut. Erst denkt die Mutter, dass sich das Mädchen um das Aufräumen drücken möchte, doch sie wird schnell eines besseren belehrt. Weder etwas Essen noch spielen möchte die Kleine. Stattdessen kuschelt sie sich auf die Couch und schläft ein.

Stunden später wacht die Kleine auf. Entsetzt stellt sie fest, dass die Mutter schon mit dem Streichen begonnen hat. Sie springt auf, merkt an, dass es ihr viel besser geht und sie auch die Wand anmalen kann. Nach Hänsel rufend stellt sie sich neben ihre Mama und fordert den Pinsel ein. Gemeinsam übermalen sie die bunte Wand und stellen fest, dass es weiß viel schöner ist.

Die Mutter räumt anschließend noch den Balkon für die neuen Möbel frei, Hänsel geht Joggen und Gretel isst endlich etwas. Abends sitzen sie zufrieden im Wohnzimmer und freuen sich über die erledigte Arbeit.

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