Am Abend eskaliert es.

Irgendwann hat Hänsel in der Schule Schleim hergestellt. Schmierigen, schleimigen und unglaublich klebrigen Glibber.

Diesen schenkt er großzügig seiner Schwester. Die wiederum verteilt ihn großzügig in der Badewanne, diversen Kleidungsstücken, ihren eigenen Haaren und an ihren Armen.

Die Nerven der Mutter sind nicht so strapazierfähig wie das eklige Zeug. Als sie keinerlei Antworten auf ihre Fragen bekommt, allen voran auf die nach den Inhaltsstoffen des Schleims, um diesen aus irgendetwas wieder herauszubekommen, wird es laut. Die Mutter ist genervt, Gretel hat Angst, dass ihre Haare geschnitten werden müssen und Hänsel streitet ab, überhaupt etwas mit dem Schleim zu tun zu haben.

Die Genervte schickt den Abstreitenden ins Bett und die Ängstliche in die Wanne. Insgesamt dauert es eine halbe Stunde, das Mädchen vom Glibber zu befreien. Hänsel ist währenddessen eingeschlafen, Gretel erleichtert, dass ihre Haare gerettet werden konnten.

Die beiden unterhalten sich eine Weile, über den Tag, über die Uroma, über das Leben und den Tod. Harte Kost für die Mutter, als das Vorschulkind neugierig immer weiter Fragen stellt. Abschließend werden zahlreiche Küsschen ausgetauscht, bevor auch das Mädchen einschläft und die Mutter sich ihrem Crime widmen kann.

Morgen kommen weder Mutter noch Hänsel aus dem Bett. Aus dem Plan der Mutter, mit ihrem Studium voranzukommen, wird daher auch nicht wirklich etwas. Sie ist müde und kann sich nicht auf die wissenschaftlichen und fachspezifischen Begrifflichkeiten konzentrieren. Hinzu kommt der herrliche Sonnenschein, der sie viel lieber nach draußen gehen lassen würde, als den Vormittag am Schreibtisch zu verbringen. Ihrem Sohn geht es ähnlich. Ihre Tochter schläft.

Irgendwie vergeht der Schultag dann aber doch. Auch der Termin mit dem Vermieter ist schnell vorüber, die drei könnten rausgehen. Von der Sonne ist aber inzwischen nichts mehr zu sehen und auch die Temperatur ist nicht sonderlich einladend. So beschließt Gretel, dass sie die Wohnung nicht verlassen und lieber mit Trampolin und Pezziball zu ihrer Bewegung kommen möchte. Hänsel ist nicht traurig darüber und allein mag die Mutter auch nicht rausgehen. Alle drei versprechen sich gegenseitig, dass sie den morgigen Tag dafür einen Ausflug machen werden, bevor es am Sonntag richtig ungemütlich zu werden scheint.

Die Kinder spielen ein wenig im Wohnzimmer. Dann aber möchten sie Party machen und verschwinden im Kinderbereich. Lautstark dröhnt die Musik durch die Wohnung, während Gretel tanzt und Hänsel zeichnet. Die Mutter sitzt schmunzelnd im Wohnzimmer und freut sich, dass das Wochenende nun vor der Tür steht.

Auch den Kindern ist der Freitagabend besonders lieb. Denn das heißt, dass es Kuschelkino gibt. Zumindest, wenn sich die Kinder einigen können, was sie sehen möchten. Die Mutter hat nur im Notfall ein Veto-Recht, etwa, weil der Film nur kostenpflichtig angeboten wird und nicht der Altersklasse der beiden entspricht. So steht für heute fest, dass es die kleine blonde Hexe bei ihrer Freundin auf dem Reiterhof nun nicht nur den ganzen Tag als Geschichte gibt, sondern diesen Abend zudem im Kino laufen wird. Die Mutter ist begeistert, nicht. Hilft aber nichts. Und so steht sie den Film tapfer durch, bevor sie später am Abend zu ihrem Crime wechseln kann.


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