Der Wecker klingelt noch ein wenig früher als üblich. Die Mutter hat einen Termin, zu dem sie das Haus verlassen muss. Früh und nüchtern. Das nüchtern bezieht sich nicht auf Alkohol, den hat sie seit über 10 Jahren nicht mehr getrunken, sondern auf den Mageninhalt. Allerdings bedeutet das auch, dass sie ohne Kaffee das Haus verlassen muss. Sie wird es überstehen, ob es aber ihr Termin auch wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Sie zieht sich also an und weckt ihren Sohn. Verschlafen bittet er darum, dass seine Mama den Raum verlassen möge. Kann sie tun, aufstehen muss er dennoch. Lediglich Gretel darf mal wieder weiterschlafen.

Während die Mutter beim Arzt sitzt und erfährt, dass sie kerngesund ist – abgesehen von bereits bekannten Vorkommnissen – wacht das Mädchen auf. Und vermisst ihre Mami. Hänsel aber kümmert sich heldenhaft um seine Schwester und so freuen sich die beiden zwar, als die Mutter wieder nach Hause kommt, sind aber auch wunderbar gelaunt.

Den Wink, den die Mutter auf dem Heimweg ans Handy ihres Sohnes schickte, sorgt zwar für Erheiterung, aber nicht wie gehofft für eine bereits aufgeheizte Kaffeemaschine. Die Mutter drückt das Knöpfchen also selbst und bereitet während der Wartezeit ein Frühstück zu. Hänsel sitzt hochkonzentriert am Rechner, Gretel meckert, dass sie schon alle Blätter bearbeitet hat und auch ihre Übungshefte alle voll seien. Aus Trotz möchte sie die Viertklasshefte bearbeiten, die sie im Zimmer ihres Bruders gefunden hat. Schnell aber muss sie feststellen, dass sie das nicht kann und fordert von der Mutter Übungen ein.

Diese reagiert schnell und so steht schon bald fest, dass sie nachmittags trotz Kälte und Schneelosigkeit ihr Mädchen zu einem Spaziergang bewegen können wird. Die Adresse, wo sie weitere Hefte abholen können, befindet sich zwei Kilometer entfernt, so werden sie eine Stunde unterwegs sein. Für heute sollte das reichen.

Bis dahin aber ist noch jede Menge Arbeit zu erledigen. Hänsel sitzt gelangweilt vor dem Bildschirm, als eine Doppelstunde eines der führ ihn langweiligsten Fächer beginnt. Froh darüber, dass die Mutter ihn in seiner englischen Aussprache (wie kann es sein, dass sie „pronounciation“ nicht nur aussprechen, sondern sogar schreiben kann?) nicht weiterhin verbessert, ist er nach dem Blick auf seinen Stundenplan nur mehr wenig begeistert. Gretel ist mit Tanzen beschäftigt und die Mutter? Die tanzt irgendwie auch, auf zu vielen Hochzeiten, wie sie heute das Gefühl hat.

Nachmittags tanzen die drei nun nach draußen. Kalt ist es und ungemütlich, aber Gretel hat sich die Vorschulsachen gewünscht, nun holt sie sie tapfer ab. Bei der zweiten Runde jedoch bleibt Hänsel zuhause und schiebt die von den Kindern zubereitet Pizza in den Ofen. Als die Mädels zurückkommen, duftet es herrlich und gemütlich warm ist es obendrein.

Traurig leiht sich Gretel nach dem Essen das Handy ihres Bruders. Sie vermisst ihre Großeltern. Eigentlich hätten sich die vier über den Jahreswechsel gesehen, nun müssen sie wahrscheinlich bis zum Sommer warten. Sie schickt den Großeltern abwechselnd Bilder und Sprachnachrichten, bekommt hin und wieder auch ein Bild zurück und amüsiert sich dabei königlich.

Hänsel hat sich in sein Zimmer zurückgezogen und hört Geschichte. Er spielt und freut sich über Mädchenfreie Zeit. Die Mutter liest die Vorberichterstattung zur morgigen Konferenz und die Nachberichterstattung zum Schulgipfel. Die erkennbaren Tendenzen entspannen sie sehr, freuen Hänsel enorm und verstärken Gretels Traurigkeit. Lediglich die Aussicht, dass sie ihre kleine Schwester am Wochenende sehen kann, muntern sie auf. Wenn auch die Mutter die Frage, ob sie das Baby nicht zu sich holen können, verneint. Vehement verneint.


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