Der Wecker klingelt. Müde tastet die Mutter sich vor, um den Ton auszuschalten. Ihre Tochter liegt neben ihr, aus dem Zimmer ihres Sohnes kommen seltsame Geräusche. Husten. Der Junge hustet. Es ist kein Husten, der vom Verschlucken kommt. Es ist einer, der besagt, dass es dem Jungen nicht gut geht. Schon am Vorabend kommt er frierend zur Mutter. Zusätzlich zu seiner Kuscheldecke, die ihm normalerweise auch im Winter reicht, liegt er noch unter einer dicken Bettdecke. Dennoch ist ihm kalt.

Nach einem kurzen Warmkuscheln geht er wieder zurück ins Bett. Und nun liegt er in diesem und hustet.

Die Mutter bereitet sich einen Kaffee und ihrem Sohn einen Tee zu. Er lächelt sie an, als sie damit in sein Zimmer kommt. Woher sie wüsste, dass sein Hals schmerzt, möchte das müde Kind wissen. Er hat gar nicht gemerkt, dass er im Schlaf mindestens die letzte Stunde fürchterlich gehustet hat. Dankbar nimmt er den heißen, dampfenden Tee an.

Auch Gretel schaut auf dem Weg ins Badezimmer bei ihrem Bruders vorbei, wirft ihm ein Luftküsschen zu und wünscht gute Besserung. Außerdem versorgt sie ihn mit Taschentüchern und würde ihm auch sonst gerne helfen. Das geht aber nicht, das Mädchen darf in den Kindergarten.

Wenn sie aber wieder zurück ist, so lautet ihr Versprechen, wird sie sich um ihren Bruder kümmern. Doch das dauert bis zum Nachmittag.

Vorher wird der Junge seinen Schultag im Bett verbringen. Eingekuschelt in seine Decken verfolgt er den Unterricht. Die Mutter legt im Wohnzimmer indes die Prüfung für das erste Modul ihrer aktuellen Ausbildung ab und beginnt direkt mit dem zweiten Abschnitt.

Gretel wird sie heute bereits früher abholen. Für das Mädchen steht heute ein wichtiger Termin an: die Anmeldung in der Schule. Gut gelaunt und fast schon überdreht holt die Mutter ihr Mädchen ab. Gemeinsam radeln sie zur Schule und begehen die Anmeldung.

Nach nur zwanzig Minuten ist Gretel angemeldet. Sie findet die Lehrerin und die Schule toll, würde am liebsten sofort starten. Hoffentlich sieht sie das im Herbst auch noch so, wünscht sich die Mutter in Gedanken.

Die beiden kommen heim und Hänsel springt vergnügt, wenn auch noch hustend, durch die Wohnung. Kümmern muss sich seine Schwester nicht um ihn. Stattdessen hält sie ihre Mutter auf Trab.

Die Frau hat einen weiteren Termin schlichtweg vergessen. Nicht einmal als es klingelt, erinnert sie sich sofort. Dennoch verläuft die Verabredung erfolgreich und alle sind glücklich.

Fast alle.

Denn Hänsel wurde an seine Hausaufgabe erinnert. Diese wartet bei der Oma auf Fertigstellung. Er holt sie ab und erwartet anschließend, dass seine Mutter ihm erklärt, was er zu tun hat. Sie aber kennt die Aufgabenstellung nicht, weswegen der Junge ausflippt. Die Aufgabe muss in zwei Tagen abgegeben sein, das von ihm geforderte Programm dafür ist nicht in seinem Schulkonto enthalten. Rücksprache mit der Lehrerin soll die Mutter halten. Mag sie aber nicht, was der Junge als Affront empfindet. Den restlichen Abend wird er seine Mutter daher ignorieren und mit bösen blicken strafen.

Für die Frau ist das ok. Sie ist müde und der Abend ist für sie nicht die präferierte Zeit für Diskussionen rund um Schule. Der Abend heute wird wieder im Zeichen der Brüder und Schwestern stehen, die sie seit einiger Zeit in ihr Wohnzimmer einlädt.


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