So schnell wie heute ist die Mutter selten wach. Der Wecker klingelt, sie öffnet sofort, wenn auch angestrengt, die Augen und nimmt ihr Handy zur Hand. Und tatsächlich, die SMS sind eingegangen. Zwei Mal negativ, Gretel darf in den Kindergarten gehen. Glücklich sieht die Frau zu dem neben ihr schlummernden Mädchen hinüber.

Am Vorabend bereitet Gretel bereits alle vor: Brotzeit, obwohl sie die heute nicht benötigt, ihre neuen Schuhen für den Sportunterricht und die Kleidung, die sie heute anziehen möchte. Optimismus aus dem Bilderbuch.

Und es hat funktioniert. Die Mutter weckt das Mädchen sanft. Erst gibt es ein Küsschen und dann die leise Information, dass sie in den Kindergarten gehen darf. Mit einem wunderbaren Lächeln und einem sichtbaren Stein-vom-Herzen-Gepurzel springt die Kleine aus dem Bett und zieht sich an.

Fröhlich singend gehen die beiden los. Das negative Testergebnis hat die Mutter auf Grund eines fehlenden funktionierenden Druckes nicht dabei, wird es aber im Anschluss elektronisch an die Einrichtung senden.

Zuhause wartet Hänsel auf die Mutter. Gemeinsam arbeiten ihre Bucketlist für den Tag ab. Die des Jungen ist deutlich kürzer als die der Mutter, er wird fertig, ihre Liste wird noch einige Monate bestehen.

Während sie arbeiten, spinnen sie ihr Projekt weiter. Neben einem Blogartikel und Mathe-Hausaufgaben werden Ideen ausgetauscht und ein Plan geschmiedet. Beide freuen sich schon sehr auf alles was kommt. Sie sprechen und fantasieren und spinnen ein wenig herum. Anschließend holen sie gemeinsam Gretel ab.

Zu dritt spazieren sie durch die Kälte der Stadt. Sie besorgen einige Dinge und schlendern entspannt nach Hause. Dort angekommen ist es mit der Entspannung schnell vorbei. Gretel isst ihre Brotzeit, während Hänsel das Abendessen zubereitet. Der knallt die Schüssel unsanft auf den Tisch und verlässt schimpfend den Raum. Die Mutter bleibt allein zurück und versteht nicht, was los ist. Beide Kinder sprechen weder mit ihr noch miteinander. Aus beiden Kinderzimmern dröhnen lautstarke Geschichte. Motivation zu Streit ist nicht vorhanden, so setzt die Mutter ihre Kopfhörer auf und widmet sich ihrer Ausbildung.

Später kommen die Kinder zu ihr. Erst Gretel, dann auch Hänsel. Die drei führen ein „es kotzt mich an“- Gespräch. Jeder darf aufzählen, was ihn alles ankotzt. Das macht Spaß! Die anschließende Feststellung, dass keiner der Anwesenden etwas an den genannten Dingen ändern kann, ändert zwar nichts an den Situationen, bringt sie aber alle drei zum Lächeln.

Das Spielen im Anschluss ist wieder harmonisch und auch das Gute-Nacht-Ritual findet in entspannt statt.


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