Die Nacht ist kurz. Als der Wecker klingelt fehlen der Mutter etwa vier bis fünf Wochen Schlaf. Nur noch zwei weitere Male Aufstehen und es sind Ferien. Die Frau kann es kaum erwarten.

Die Kinder offensichtlich auch nicht. Sie sind ebenso schlaftrunken, als sie aus ihrer Nachtruhe gerissen werden. Beide sind heute in ihren Einrichtungen, der Mutter steht ein kinderfreier Vormittag bevor. Sie hat einen Termin sowie ein Telefonat zu erledigen, ansonsten ist sie frei in ihrer Zeiteinteilung. Kaffeebohnen sind ausreichend vorhanden, so sollte nichts schief gehen können.

Draußen scheint die Sonne und die Temperaturen sollen zweistellig werden. Die Müdigkeit lässt sich jedoch weder vom frühlingshaften Wetter noch literweise Kaffee beeindrucken. Als Hänsel und die Mutter Gretel abholen, startet sie einen weiteren Versuch. Nach einer Stärkung beim Bäcker geht es auf einen gemütlichen Spaziergang. Hänsel wünscht sich schon seit einiger Zeit ein Ziel, das die Mutter gerne verschiebt. Heute aber steuern sie dieses Ziel an.

Die konkrete Stelle müssen sie erst suchen. Als sie sie aber gefunden haben, wird Hänsel plötzlich ganz still. Etwas über zwei Jahre ist es her, dass er hier einen seiner besten Freunde getröstet hat. Heute ist es an der Mutter, ihren Sohn in den Arm zu nehmen. Nach einem kurzen Gespräch mit der Gedenktafel ist der Junge bereit, die Fragen seiner Schwester zu beantworten. Sie kann sich an die Situation im Winter 2018 nicht mehr erinnern, bereitwillig erzählt er es. Eine Träne kullert seine Wange hinunter und die drei beschließen, einen kurzen Aufenthalt auf dem Spielplatz einzuschieben, bevor sie wieder nach Hause spazieren.

Hänsel fängt sich wieder und Gretel ist ebenfalls aus ihrer Neugier befreit. Die Mutter kann die Bestellung abgeben, die seit dem Nachmittag des Vortags nicht möglich war und zuhause werden sie die Balkonmöbel aufbauen, die nach sieben Wochen statt der angekündigten maximal fünf Tage nun endlich geliefert wurden.

Dachten sie. Denn die Stühle sind zerkratzt und ein kleines Teil fehlt, was den Gebrauch jedoch nicht beeinträchtigt. Für den Tisch allerdings sind Bauteile so schlecht gefertigt, dass ein Aufbau nicht möglich ist. Der Laune zuträglich ist das nicht, aber immerhin steht für die nächsten Tage eine Tisch-Alternative bereit, so dass die Möbel doch irgendwie genutzt werden können. Die Beschwerde an den Hersteller sendet die Mutter umgehend ab, sie ist genervt.

Gretel bereitet währenddessen ihren Beitrag für das Osterfrühstück am nächsten Tag zu, Hänsel beschallt die Wohnung mit Kinder-Kriminalgeschichten. Gemeinsam verputzen sie eine riesige Tafel Schokolade, Abendessen fällt aus.


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