Another night, another dream – ach nein, stop. Kein Traum. Bittere Realität. Wieder einmal schreckt die Mutter mitten in der Nacht hoch, weil aus dem Kinderzimmer Bibi Blocksberg dröhnt, während es draußen noch stockdunkel ist. Kurz darauf tapsen zwei kleine Füße zu ihr rüber und Gretel kuschelt sich verschlafen an sie heran. Im Gegensatz zur Mutter ist sie jedoch schnell zurück im Land der Träume.

Die Mutter schläft irgendwann ebenfalls wieder ein. Völlig gerädert wacht sie wenige Stunden später wieder auf. Draußen scheint die Sonne. Sie hört zahlreiche Autos und Motorräder vor dem Fenster vorbeifahren. Vogelgezwitscher ist nur noch in den wenigen Augenblicken, in denen weder motorisierte Fahrzeuge noch Sirenen zu hören sind, zu vernehmen. Schade.

Erst mal Kaffee. Es ist noch keines der Kinder wach. Sie muss sich das schwarze Gold selber zubereiten. Sie bleibt erst einmal liegen. Vielleicht wacht ja zufällig gleich jemand auf. Spoiler: Sie muss sich den Kaffee selbst machen.

Bis es soweit ist, genießt sie Fotos dieser Welt und frönt virtuell ihrer Reiselust. Wie gerne säße sie jetzt mit ihren Lieblingsmenschen am Meer. Oder einem Bergsee. Oder in einer Hängematte am Strand. Fern ab von allem, was sie zuhause beschäftigt und ärgert. Und damit sind nicht die Kinder gemeint, sondern all die Dinge, über die sie sich ständig Gedanken macht, ohne sie ändern zu können.

Gretel wacht auf. In der Shorts ihres Bruders, die sie zum Schlafanzug umfunktioniert hat, sieht sie noch größer aus als sonst. Wo ist nur das kleine Baby geblieben, dass sie eben erst noch war?

Die Mutter sucht ein Radlziel. Vielleicht eines, wo sie noch nicht gewesen sind. Vielleicht aber auch eines, wo sie weiß, dass die Kinder toben und spielen können, während sie sich weiter darin übt, anzunehmen, was sie nicht ändern kann. Wahrscheinlich wirds der Happy Place.

Sie steht auf und macht Kaffee. Dazu liest sie die Zusammenfassung ihres bisherigen Lebens, die ihre Eltern ihr in Form einer Fotocollage überlassen haben. Sie erinnert sich an viele tolle Momente, glückliche Augenblicke und wunderbare Menschen.

Sie radeln los. Es geht tatsächlich zum Happy Place. Mit Picknick, das Hänsel und Gretel vorbereitet haben.

Am See sitzend unterhalten sich die Mädels. Gretel fragt ihre Mutter, ob sie wüsste, was sich das Mädchen zu ihrem Geburtstag bald wünschen würde. Sie weiß es nicht, daher verrät sie es ihr: Gretel wünscht sich zu ihrem sechsten Geburtstag, dass der Corona bald wieder weg ist, in allen Ländern auf der Welt. Und alle Menschen gesund sind. Puh.

Während die Mutter Gedanken verloren vor sich hin zeichnet, spielen die Kinder. Vorwiegend Hänsel. Gretel ist mit essen beschäftigt.

Später steht noch ein Treffen an. Die Mutter ist jedoch wenig ambitioniert, aufzustehen und wieder zurück zu fahren. Wenn schon keine Reise möglich ist, dann möchte sie wenigstens an ihrem Happy Place bleiben. Heute, morgen, am besten für eine lange Zeit.

Als könnte Hänsel ihre Gedanken lesen, fragt er sie, wie lange man an diesem See überleben könnte. Ob zehn Jahre möglich sind. Wohl eher nicht. Die Vorstellung ist trotzdem schön.

Sie radeln los. Zum nächsten See. Die Kinder spielen im Dreck, die großen Mädels unterhalten sich. Die Mutter bekommt nochmal die bisherigen Jahre ihres Lebens vor Augen gehalten. Manche Fotos doppeln sich, manche hat sie schon lang vergessen. Manche zaubern ihr ein Lächeln ins Gesicht, manche machen sie traurig, wieder andere erinnern sie an Dinge, die sie gerne vergessen würde. Aber alle diese Karten gehören zu ihrem Leben. Ihren Kindern wird sie später, bei Pizza und Bier, einiges erzählen müssen.

Als sie heimkommen ist es schon ziemlich kühl. Hänsel probiert gleich seine neue Maske aus, um noch schnell Zutaten für die Pizza zu holen. Daheim bereitet die Mutter diese zu, die Kinder genießen die Ruhe in ihren Zimmern.

Die Stimmung ist entspannt. Alle haben Hunger. Nach dem Essen gibt’s einen Film für die Kinder und Intrigen, Mord und Totschlag für die Mutter. Das wird ein guter Abend. Mit einer hoffentlich erholsamen Nacht im Anschluss.