Der Tag beginnt entspannt. Die Sonne scheint, die Mutter wacht vor dem Weckerklingeln auf und die Vögel zwitschern fröhlich vor dem Fenster. Die Kinder schlafen. Jetzt und noch sehr lange.

Die Mutter macht sich einen Kaffee und beginnt zu arbeiten. Es ist einiges zu tun, Lust hat sie keine. Der Plan ist es, mittags Feierabend zu machen. Daraus wird nichts, als sich kurz nach diesem Entschluss ein Call anmeldet.

Um zehn Uhr weckt die Mutter Hänsel. Der ist wenig begeistert und sitzt nicht, wie vereinbart pünktlich um halb elf zu seinem Call am Tisch. Die Mutter ist genervt. Der Sohn ist genervt. Die Tochter wacht wegen dem Streit zwischen den beiden auf. Schöner Start in den Tag.

Hänsel’s Laune wird nicht besser, als die Lehrerin ihm klar macht, dass er seine Hausaufgaben zu diesem täglichen Termin mitbringen soll. Er bekommt Aufträge von ihr, die er bis Montag erledigen muss.

Während er nun so diesen Call durchsteht, ähnlich konzentriert wie seine Mutter ihren heute morgen, zweifelt die Mutter an, ob er den Probeunterricht Ende des Monats tatsächlich packen wird. Ihr Sohn sieht nicht so aus, als würde er den Ernst der Lage verstehen. Da die Mutter aber nicht mit ihm darüber sprechen kann, ohne sein Triggerword „Schule“ zu erwähnen, lässt sie es. Sie mag nicht streiten. Sie mag laufen gehen.

Geht aber nicht. Denn Hänsel wird kurz nach dem Call von seinem Vater abgeholt. Weitere Aufgaben stehen auf der to-do-Liste des Jungen. Gut gelaunt verabschiedet er sich von seinen Mädels.

Das kleine Mädel sitzt mit dem Tablet in ihrem Zimmer. Die Idee, nachher rauszugehen, nimmt sie nicht sehr freudig auf.

Das große Mädel sitzt am Laptop und hofft, dass sich die unliebsamen Aufgaben in Luft auflösen. Auch sie ist wenig erfreut, als sie realisieren muss, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird.

Die Mädels radeln. Gretel hat keine Lust und ist pausenlos am Meckern. Der Mutter ist die Geschwindigkeit zu gering und sie ist pausenlos am Meckern. So meckern die beiden vor sich hin und haben irgendwie doch ihren Spaß.

Bis sie zum Einkaufen gehen. Ihre Masken haben sie eingepackt. Gretel setzt ihre gerne auf und es stört sie gar nicht. Die Mutter hingegen bekommt schlecht Luft und merkt, dass sie schnell wieder in maskenfreie Gefilde muss.

Als sie daheim ankommen, wartet die Mutter auf den Beginn ihres Dates mit Markus S., der heute in Begleitung von Angie M. sein wird. Die beiden tauchen mit einer einstündigen Verspätung endlich auf. Und haben dann nicht einmal Informationen preiszugeben. Muss die Mutter sich noch weitere Tage gedulden.

Hänsel kommt heim. Die Mutter schnappt sich den Jungen und spricht Klartext mit ihm. Er hat Tränen in den Augen. Seine Mutter verlangt, dass er zu ihr kommt, wenn es ihm nicht gut geht. Seine Mutter erwartet, dass er sich Zeit für sich nimmt. Seine Mutter wünscht sich, dass er zum Kuscheln kommt, wenn er Nähe braucht. So viele Sachen, die die Mutter möchte. Er drückt sie ganz fest. Und legt ihr eine Geschichte hin, die er heute beim Vater geschrieben hat.

Sie ist stolz auf ihn. Er schreibt so gerne. Ziemlich falsch, aber gerne. Dazu zeichnet er. Sie erkennt sich einmal mehr in dem kleinen Jungen, der immer versucht stark zu sein. Versucht, für seine Mädels stark zu sein. Auch das hat er von seiner Mutter. Deswegen verbietet sie es ihm, nochmals. Niemand muss stark sein, wenn es ihm schlecht geht. Auch Hänsel nicht. Er drückt seine Mutter noch fester an sich.

Bevor die Mutter sieht, dass ihn das Gespräch sehr glücklich gemacht hat, springt er auf und zieht von dannen. Er schnappt sich seine Schwester und hüpft in die Badewanne.

Für die nächste Stunde wird die Mutter ihre Ruhe haben. Dann wird sie einen Anfall bekommen, weil das Badezimmer komplett unter Wasser steht. Sie wird die Kinder genervt den Boden wischen lassen und anschließend ins Bett schicken. Ein bis siebzehn Bier wird sie daraufhin genießen und die letzten Folgen ihrer Intrigen schauen.

Morgen wird gewandert. Die Mutter freut sich. Den Kindern sagt sie besser noch nichts.