Der Tag beginnt früh. Für die Mutter ebenso wie für Hänsel. Wie versprochen, oder doch eher wie angedroht, weckt die Mutter den Jungen in der Früh gleich um sieben Uhr. Das Prä-Pubertier ist wenig begeistert.

Er verschwindet wieder in sein Zimmer. Dort schreibt er der Mutter tatsächlich einen Liebesbrief. Die Mutter ist gerührt. Im Anschluss räumt ein bisschen auf. Was ist mit Hänsel passiert? Als er fragt, ob er sich zu seiner Schwester auf die Couch legen dürfe, überlegt die Mutter nicht lang. Er darf. So kann sie in Ruhe weiterarbeiten.

Sie setzt sich auf den Balkon, genießt die Sonne und Kaffee, bevor es losgeht mit den Telefonaten für heute. Später wird sie etwas erfahren, das ihr das letzte Fünkchen Freude an dem Job auch noch nehmen wird.

Hänsel bemerkt ihre Tränen, kommt zu ihr und nimmt sie in den Arm. Die beiden führen ein offenes und ehrliches Gespräch über die Situation der Mutter. Der Zehnjährige ist seiner Mutter dabei eine große Hilfe. Er äußert seine Meinung klar und deutlich. Die Mutter ist sehr stolz auf ihn. Das sagt sie ihm auch. Sie umarmen sich fest und sind glücklich, dass sie einander haben.

Die Mutter arbeitet weiter, und auch der Junge absolviert seine Videokonferenz. Er mag das Online-Lernen ebenso wie die Mutter das Home-Office liebt. Ab der nächsten Woche wird alles anders.

Gretel möchte nun endlich in den neuen Kindergarten. Alle Bemühungen der Mutter, ihr zu erklären, dass sie erst im Herbst dorthin darf, ignoriert das Mädchen. Sie möchte sofort und träumt sich dorthin.

Nachdem die Mutter Feierabend gemacht hat, radeln die Mädels los. Hänsel ist bei seinem Vater.

Die Mutter überrascht ihre Tochter mit einem Besuch auf ihrem Lieblingsspielplatz. Die Freude in den Augen der Kleinen bringt das mütterliche Herz zum Hüpfen. Vergessen ist all der Mist, der sie den Tag beschäftigt hat. Gleich kommt noch eine Freundin der Mutter, bei der wird sie sich auskotzen können.

Es ist ein schöner Nachmittag.

Spät radeln sie wieder heim. Während die Mutter so in der Küche steht und darauf wartet, dass der nicht eingeschaltete Herd die Nudeln kocht, spielt Gretel selig im Flur. Hänsel ist einkaufen gegangen, um seine Schwester mit Kakao und Würstl glücklich zu machen.

Beim Abendessen erzählen sich die drei Witze. Eigentlich erzählt nur Hänsel welche. Gretel erfindet daraufhin neue und die Mutter kann sich eh keine merken.

Sie erhalten eine Nachricht vom Vater der Kinder. Die Großeltern würden in den Ferien gerne Hänsel und Gretel bei sich haben. Die Mutter ist zwar traurig, überlässt die Entscheidung aber ihren Kindern. Eine Woche ist ok, die andere Woche möchten sie mit ihrer Mutter Campen gehen. Die Mutter ist happy.

Freudig wollen die Kinder ihrem Vater die Entscheidung ebenfalls mitteilen. Übermütig erzählt Gretel in einer Sprachnachricht, wie sie sich entschieden haben und dass sie sich sehr auf das Campen mit Mutter und Bruder freut. Das freundliche Mädchen lädt auch ihren Vater dazu ein. Einen skeptischen Blick von Hänsel, einen großen Schluck Bier und eine hochgezogene Augenbraue der Mutter später zieht die Kleine das Angebot zurück. Ob der Vater das ebenso lustig finden wird wie seine Kinder, interessiert sie nicht.

Schnell machen die Kinder sich bettfertig. Sie wollen fernsehen. Wie Gretel hat auch Hänsel morgen frei. Nur die Mutter muss schuften. Kennt sie ja schon. Der nächste Schluck Bier hilft ihr dabei, den Gedanken daran zu verdrängen. Und bevor sich das Bier zu einsam fühlen könnte, trinkt die Mutter schnell noch eins. Nur um sicher zu gehen.

Sie geht den Kindern gute Nacht sagen. Die beiden hören sich nicht so an, als würden sie in den nächsten Stunden schlafen wollen. Die Mutter muss noch arbeiten. Sie ist müde. Vorsichtshalber trinkt sie Bier.