Es regnet. Es ist kalt. Der für heute geplante Ausflug nach der Schule fällt ins Wasser.

Die Mutter weckt ihren Sohn. Müde quält sich der Junge aus dem Bett. Seine Mutter weiß genau, wie es ihm geht. Sie selbst ist ebenfalls fürchterlich müde.

Gretel schläft noch. Sobald der Junge das Haus verlassen hat, wird sich die Mutter wieder hinlegen. Sie ist kaputt. Und schläft ein.

Als sie wieder aufwacht, ist ihre Tochter bereits aufgestanden. Ein Blick auf die Uhr verrät ihr, dass Hänsel in diesem Moment den Unterricht beendet. Sie ist immer noch kaputt.

Gretel macht sich Frühstück. Marmeladentoasts. Sie mag Marmeladentoasts. Die Mutter mag Kaffee. Mit ihrem Toast in der Hand macht Gretel ihrer Mutter einen. Dann verschwindet sie in ihrem Kinderzimmer.

Hänsel kommt nach Hause. Er ist gut gelaunt und freut sich auf die Dinge, die im Unterricht nun kommen werden. Die Mutter ist irritiert. Wer ist dieses Kind, das da vor ihr steht?

Während sich der fremde Junge etwas zu Essen macht – ein paar Scheiben Toast hat seine Schwester noch übriggelassen – schaut die Mutter Fotos an.

Sie lächelt. Ihr kommt ein Gespräch mit ihrem Sohn in den Sinn, das sie führten, als sie das letzte Mal gemeinsam Bilder angesehen haben:
„Mama, warum leben wir denn nicht dort, sondern hier?“
„Weil ich damals, als ich die Möglichkeit gehabt hätte, zu feige war, in ein anderes Land zu gehen.“
„Wir können doch jetzt hinziehen?“
Die Mutter lächelt. „Ihr sprecht die Sprache nicht und meine Kenntnisse dürften auch eher einer apokalyptischen Katastrophe gleichen.“
„Dann lernen wir es eben. Alle zusammen.“

Die Mutter war sprachlos. Und auch jetzt, wieder über die Aussage ihres doch noch kleinen Sohnes nachdenkend, fehlen ihr die Worte. Er ist toll. Er ist verständnisvoll. Er ist abenteuerlustig. Er steht hinter ihr. Sie beschließt, dass sie im nächsten Jahr ihren Urlaub dort verbringen werden. Hinziehen werden sie nicht. Zumindest nicht so bald.

Hänsel beschließt, seiner Mutter einen Kaffee zu machen. Danach zieht er sich in sein Zimmer zurück.

Draußen ist es immer noch nass. Es regnet immer mal wieder. Die Kinder möchten für den Rest des Tages die Wohnung nicht mehr verlassen. Jedes spielt in seinem Zimmer. Die Mutter liegt immer noch im Bett.

Sie beschließt, die Wohnung ebenfalls nicht mehr zu verlassen. In der Hoffnung, dass die Kinder heute endlich – sie sagt es ihnen seit etwa drei Wochen – die Küche aufräumen, wird sie die restliche Wohnung übernehmen. Selbstverständlich abgesehen von den beiden Chaos-Zimmern und der Küche.

Während sie so aufräumt und putzt, freut sie sich auf den Tag, an dem ihre Putzfrau wieder zu ihnen kommen wird. Die drei gönnen sich wenig Luxus. Aber die Putzfrau ist mehr wert als sie ihnen monatlich in Rechnung stellt.

Die Wohnung nähert sich einem akzeptablen Zustand. Die Mutter ist glücklich. Auch die Kinder müssen zugeben, dass es so schon angenehmer ist. Ein bisschen. Vielleicht. Unter Umständen. Vorübergehend.

Die Oma ruft Hänsel an. Sie möchte zum Wertstoffhof und fragt, ob der Junge sie begleiten möchte. Möchte er. Die Mädels putzen währenddessen weiter, die Mutter bereitet außerdem das Abendessen vor.

Bis Hänsel wieder da ist, ist die Wohnung größtenteils in Ordnung gebracht. Dann gibt’s Nudelauflauf. Und danach Kuschelkino. Gretel hat das Bett der Mutter zur Kuschelwiese umgestaltet, optimal für einen Filmeabend bei kaltem Regenwetter. Die frei fühlen sich wohl. Atlantis nicht so. Ist untergegangen.