Während Unordnung, Chaos und apokalyptisches Gebrüll immer mehr werden, ist das Nervenkostüm der Mutter quasi nicht mehr nachweisbar.

Der Viertklässler ignoriert jegliche Ansage in Bezug auf alles, was nichts mit Essen oder Fernsehen zu tun hat. Aufgaben, die zu erledigen sind, werden wegignoriert, das Kinderzimmer gleicht Bildern nach einer Invasion aus dem All. Fußboden? Ebenso überbewertet wie Zähne putzen oder Vitamine zu sich nehmen.

Dass dennoch IQ vorhanden ist, beweist der Indoor-Fußballer auf kreative Weise: Da sein Zimmer kaum mehr betretbar ist, schlägt er seiner Schwester kurzerhand einen Zimmertausch vor. Jung und naiv wie sie ist, lässt sie sich freudestrahlend auf diesen Deal ein.

Keine Stunde später, der Auftrag lautete eigentlich Zimmer aufräumen (irgendeines, denn Zimmer werden ebenso wie die Persönlichkeiten und Launen im Minutentakt gewechselt und getauscht) sind beide Kinderzimmer mit einem ausgeklügelten Schienensystem der Firma Queen Mami vollgemüllt, äh bebaut.

Der Firmennamen stammt übrigens vom Geschäftsführer Junior. Der Businessplan überzeugt: Wir arbeiten für dich, Mami.

Kindergartenkind kommt weiterhin alle paar Minuten zur latent entnervten Mutter, um, ich zitiere, ultraheftige News zu erzählen. So bleibt die Mutter wenigstens informiert, was in den die ganze Wohnung und wahrscheinlich auch die Nachbarwohnungen beschallenden Teufelskicker- und Benjamin-Blümchen-Geschichten passiert.

Zwischendrin befragt das Kindergartenkind Alexa noch zu ihren Hobbies, ihrem Lieblingstier und der Lieblingsfarbe. Hin und wieder vergisst das Kind die Frage, entschuldigt sich vorbildlich bei Alexa und bittet freundlich um die weitere Wiedergabe der aktuellen Geschichte.

Die Mutter, auf Grund der kühlen Temperaturen nicht in der Lage, auf den Balkon zu flüchten, versucht währenddessen im Wohnzimmer ihrer Arbeit nachzugehen. Sie verfasst einen Newsletter zur Notbetreuung von Eltern, deren Kinder in systemrelevanten Berufen tätig sind – und beschließt, nach Versand der (korrigierten!!) Version duschen zu gehen. Für mindestens zwei Stunden, im abgeschlossenen Badezimmer mit Musik bis zum Anschlag aufgedreht. Stört es die Nachbarn? Vielleicht. Hört sie das Klingeln? Eher nicht. Absicht? Vielleicht.