Abends erledigt die Mutter, was zu erledigen ist. Inklusive der Vernichtung des kalt gestellten Sektes.

Die Kinder schlafen schnell ein. Völlig erledigt fallen sie gradezu in ihr jeweiliges Bett.

Heute morgen reißt nun der Wecker die Mutter wieder aus dem Schlaf. Sie muss aufstehen. Verschlafen drückt sie den Knopf der Kaffeemaschine.

Sie zieht sich an und setzt sich müde an den Esstisch. Gretel muss geweckt werden. Hänsel kann weiterschlafen. Er hat frei. Auf Corona-deutsch auch Home-Schooling genannt. Da seine dieswöchige Lehrerin jedoch im Büro erwartet wird, muss die Schulklasse alleine arbeiten. Was davon gehalten wird, wird aus Gründen nicht kommuniziert.

Hänsel verspricht der Mutter vor dem Schlafengehen, dass er sich seine Aufgaben für die Woche fachweise einteilt. Seine Mutter verspricht ihm, dass sie die Aufgaben, die er nicht versteht, nachmittags gemeinsam durchgehen. Feierabend wird eh überbewertet.

Gretel möchte die gesamte Buchungszeit im Kindergarten bleiben. So hat die Mutter die Möglichkeit, mit Hänsel gemeinsam Mittag zu essen und Mutter-Sohn-Zeit zu genießen.

Die beiden wollen gar nicht, dass die Mutter jemals wieder mehr Stunden arbeiten muss. Sie lieben die Situation aktuell so sehr.

Nun aber muss Gretel aufstehen. Sie geht gerne in den Kindergarten. Ein Morgenmensch wird dennoch nicht aus ihr. So dreht sie sich hin und her und mummelt sich immer mehr in die Decke der Mutter ein. Wie gut die Mutter es nachvollziehen kann! Lag sie doch noch vor wenigen Minuten ganz genauso im Bett.

Die Mädels wollen mit dem Radl fahren. Das große mehr als das kleine, aber nach demokratischer Körpergrößen-Abstimmung ist die Skate-Variante abgelehnt. Zumindest als Vehikel für die Kindergarten-Fahrt. Nachmittags können vielleicht eine Runde fahren, besprechen die beiden.

Müde fahren sie los. Müde schlurft Gretel in ihre Gruppe. Müde radelt die Mutter weiter ins Büro.

Dort wird es nun keinen Praktikanten mehr geben, der ihr Kaffee bringen wird. Selbst ist die Frau, denkt sie bei sich, und macht sich auf den Weg zum heißen Glück.

Der Arbeitstag geht vorüber. Pünktlich zum Feierabend beginnt es zu regnen. Macht nichts. Zu Hause warten trockene Klamotten und von Hänsel selbst gemachte Pommes. Darauf freut sich die Mutter sehr. Hänsel auch.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen und dem Austausch über verschiedene Themen radelt die Mutter zum Kindergarten.

Gretel wird sich freuen, dass die Mutter bereits mit der Mama der meistens-besten-Freundin ein Playdate für den morgigen Tag vereinbart hat. Die meistens-besten-Freundin wird sich sehr freuen, dass Hänsel ebenfalls dabei sein wird. Hänsel freut sich auf den eigentlich immer leeren Bolzplatz, auf dem er den Nachmittag kicken wird, während die kleinen Mädels spielen und die großen Mädels quatschen.

Heute Nachmittag aber wird ein Geburtstagsgeschenk für Gretel organisiert. Sie wünscht sich so sehr ein Mountainbike. Da wird nun ein passendes gesucht. Hänsel hat Training. Die Mutter mag schlafen.