Die letzte Woche verging rasend schnell und zeitgleich in Zeitlupe. Viele Dinge sind passiert, viele Dinge wurden an- und ausgesprochen, einiges blieb ungesagt.

Was ist passiert?

Hänsel badet sein Desinteresse an seinen Hausaufgaben aus. Nicht nur, dass ein ernstes Gespräch mit jemandem anberaumt ist, der ihm nachhaltig schaden könnte, es wird auch massiv in seine Freizeitgestaltung eingegriffen. Das stört den Jungen zwar, aber ob es sich dabei um Einsicht handelt, ist unklar. So führen er und seine Mutter zahlreiche weitere Gespräche – gute und weniger gute. Wenn auch keine finale Einsicht vorhanden sein mag, so kommt der Junge zumindest aus seinem Trott heraus. Die Hoffnung auf Besserung der Gesamtsituation ist daher bei allen Beteiligten groß.

Gretel hingegen ist immer häufiger genervt von der schlechten Laune ihres Bruders und ergreift daher immer häufiger die Flucht. Sie trifft sich mit einer Freundin und zeigt ihr ihre neu errungene Fähigkeit, auf die sie furchtbar stolz ist. Dass ihr diese in nur wenigen Tagen zum Verhängnis wird, ahnen weder das Mädchen noch ihre Freundin oder die Mutter.
Der Freundinnentag tut der Kleinen gut, dennoch ist der Abstand zu ihrem Bruder noch nicht ausreichend, so dass sie sich bei ihren Großeltern einlädt. Die Zeit mit Oma und Opa genießt sie in vollen Zügen, es geht nur um sie und ihre Wünsche. Keine Mama und kein Bruder, die sich miteinander streiten, nur Spielen und Quatsch machen.

Dass die Mutter ihr Mädchen während dieser Zeit vermisst, wundert niemanden. Dass aber auch Hänsel seine Schwester gerne wieder bei sich haben möchte, überrascht sogar den Jungen selbst. Groß ist die Freude, als die kleine Familie nach eineinhalb Tagen wieder vereint ist.

Lange anhalten wird diese Freude nicht. Schon am Abend stiefelt der Junge schlecht gelaunt ins Bett, so dass das spontane Kuschelkino eine Mädchenveranstaltung wird. Hoffnungsvoll, dass am nächsten Morgen die Stimmung besser sein wird und der freie Tag gemeinsam genossen werden kann, schwindet nur kurze Zeit nach dem Aufstehen. Voller Emotionen gehen die Geschwisterstreitigkeiten in die nächste Runde. Bis ein Anruf sie rettet: Es wird zum Kuchen eingeladen.

Nach Nennung dieses kalorienreichen Zauberworts ziehen sich die Kinder schnell an und sie spazieren fröhlich los. Hänsel und die Mutter zu Fuß, Gretel mit dem Roller. Was auf dem Hinweg noch ein großer Spaß ist, führt auf dem Rückweg direkt in die Notaufnahme.

In die neue Woche startet die Mutter daher nicht, wie geplant, mit ein paar kinderfreien Stunden, sondern mit Tränen auf vielen Seiten, einem familiären Zusammenhalt und zahlreichen Arztterminen.

Hänsel bricht morgens zu seinem Distanzunterricht im großelterlichen Reich auf, die Mutter vereinbart Termine und Gretel schläft ihre Ängste und Schmerzen weitestgehend aus, bevor es zum Checkup einer befürchteten, aber nicht bestätigten, Fraktur geht.

Nachmittags holt die Mutter einige ihrer fehlenden Schlafstunden der Nacht nach, während sich die Kinder hinsichtlich des Lebens von Vampiren weiterbilden.

Vielleicht sind sie selbst welche, denn an Nachtruhe ist nicht zu denken. Das ist ungünstig, da auch der nächste Tag früh beginnen wird, ein weiterer Termin für das tapfere Mädchen steht an, ebenso Distanzunterricht für Hänsel.


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