Ich habe mir ein hübsches, sehr ablegenes Sanatorium in purer Natur ausgesucht. So ganz anders als das das, was ich sonst tagtäglich um mich herum habe – und so sehr liebe! Die Stadt, Einkaufsmöglichkeiten, Menschen.

Hier nun in der Einöde, wie ich es liebelvoll nennen möchte, sehe ich die Möglichkeit, dass Zwerg und ich abschalten können. Dass wir einen ganz neuen „Alltag“ kennenlernen können und vor allem, dass Zwerg auch Natur erleben kann – etwas, was zu Hause niemals möglich wäre.

Mit einer Mutter, die nicht in den Wald geht, die nur im Schwimmbad, aber niemals in See oder Meer baden geht und die ihre Joggingstrecken am liebsten auf Asphalt absolviert.

Natur pur bei der Kur.

Dass dieser Ort des Kuraufenthaltes für mich eine Herausforderung darstellen würde, war mir schon vor der Buchung bewusst. Doch ebenso war mir klar, dass Zwerg es hier lieben wird! Spielplätze, Wälder und Wiesen und vor allem eine Mama, die nichts anderes tun kann, als sich zu erholen und sich um Zwerg zu kümmern.

Vor der Erholung aber mussten wir erst einige Vorbereitungen treffen. Die Kur war genehmigt, der Termin stand fest und der Platz war gebucht. Noch wenige Wochen vor der Abreise erschien der Termin so weit weg, so unendlich weit weg.

Zwerg erzählte ich, dass wir in Urlaub fahren werden. Drei Wochen lang, nur wir beide. War das eine Freude! Und auf meiner Seite ein langes Warten auf die krankenkassen-verschriebene Erholung.

Doch dann rückte der Tag des Kurantritts immer näher. Ich wurde nervös. Nicht wegen der Kur, nein, sondern wegen dem Wetter.

Unbeständig und zwischen herbstlich kühl und sommerlich warm war in den letzten Tagen alles geboten. Der macht, was er will, dieser April.

Welche Sachen aber nun soll ich einpacken? Was braucht Zwerg alles? Regenklamotten, Gummistiefel, kurze Hosen, lange Hosen, T-Shirts, Pullis … alles war dabei, alles musste mit. Bei meinen Sachen sah es ebenso aus. Schnell hatte ich zwei große Koffer voll – und immer noch keine Spielsachen, Kosmetika und Schuhe eingepackt. Dabei habe ich extra nur für eine Woche geplant, denn eine Waschmaschine steht uns vor Ort zur Verfügung!

Letztendlich sind wir losgefahren: Ein großer Koffer für Mama, ein großer Koffer für Zwerg, ein kleiner Koffer für Spielsachen, eine Reisetasche für den Rest und eine Tüte voll mit Wegzehrung. Selbstgemachte Frikadellen von der Oma und Unmengen Schokolade, yammi!

Knapp 350 Kilometer galt es nun zu fahren. Am Feiertag waren die Straßen glücklicherweise frei, nur sehr wenige LKW waren unterwegs, wir sind sehr gut durchgekommen. Zwerg wurde den ersten Teil der Strecke mit DVD abgelenkt, danach wurde geschlafen. Das hätte ich spätestens nach 250 km auch gerne! Ging aber nicht, weiter fahren!

Irgendwann fuhren wir von der Autobahn herunter. Die Städtenamen wurden immer unbekannter, bis ich schlussendlich feststellen musste, dass auch die Bezeichnung „Stadt“ völlig fehl am Platze war. Die Felder nahmen prozentual immer mehr Platz ein, Traktoren wurden immer mehr und ich war versucht, einfach wieder umzudrehen.

Angekommen in der fremden Welt.

Am Parkplatz des Sanatoriums angekommen, entdeckte ich außer einem Berliner und einem Münchner Kennzeichen keines, das ich auch nur einem Bundesland zuordnen konnte! Ach herrje, wo waren wir hier nur gelandet?