Die Mutter ist früh wach. Schon nach kurzer Zeit steht Gretel in der Tür. Sie nimmt ihre Mutter in den Arm und kuschelt sich an sie heran.
Sofort möchte das Mädchen wissen, ob die Mutter den Kuchen von der Oma, den diese gestern noch vorbeigebracht hat, schon aufgegessen hat. Die Mutter schwindelt ihre Tochter offenbar überzeugend an, denn der Kleinen schießen Tränen in die Augen. Als die Mutter ihr versichert, sie nur geärgert zu haben und verspricht, dass sie den Kuchen alle gemeinsam zum Frühstück essen werden, ist die Kleine wieder glücklich.

Einige Augenblicke später weint sie wieder. Sie möchte, dass ihre Mutter ihr ihre Uromi wieder zurückholt. Es ist gemein, dass die Oma am Muttertag keine Mama hat. Nun ist es die Mutter, die Tränen in den Augen hat. Gerne würde sie die Uromi zurückholen, versichert sie dem traurigen Bündel in ihren Armen, aber leider kann sie es nicht. Die beiden liegen so kuschelnd auf der Couch und denken an die Uromi. Sie schicken einen Gruß zum Himmel und lassen die Uromi wissen, dass sie sie vermissen, an sie denken und sie lieb haben.

Gretel möchte Benjamin Blümchen schauen. Die Mutter arbeitet.

Als sie fertig ist – natürlich die Mutter, denn das kleine Mädchen kann stundenlang fernsehen – wird Hänsel geweckt. Es ist bereits Vormittag und der Junge muss morgen um sieben Uhr aufstehen. Nicht so seine Zeit.

Mitsamt seiner Kuscheldecke und schlechter Laune kommt er ins Wohnzimmer. Schweigend setzt er sich zu den Mädels und starrt missmutig in den Fernseher.

Die Mutter gratuliert sich selber zum Muttertag. Sie bietet sich an, Kaffee zu machen. Mit einem verstehenden Lächeln steht das Prä-Pubertier auf und macht seiner ihn liebenden Mutter einen Kaffee.

Anschließend holt er sich die Reste des Abendessens und möchte sich gemeinsam mit seiner Schwester über Knusperhühnchen und Reis in Erdnusssauce hermachen. Gretel fordert als Nachspeise den Kuchen der Oma. Dass die Oma gestern mehrmals betont hat, dass dieser für die Mutter sei und nicht für Gretel, interessiert das Schleckermäulchen nicht. Inzwischen hat sie gar keinen Hunger mehr, nur Nachspeise passt in ihr kleines Bäuchlein. Hänsel schaufelt die große Portion glücklich allein. Die Mutter trinkt wortlos Kaffee. Gretel wartet auf den Kuchen.

Großzügig und einstimmig beschließen die Kinder, dass die Mutter heute aussuchen darf, was sie machen. Sie möchte radeln. Genervt schaut Gretel ihre Mutter an und teilt ihr mit, dass sie keine Lust habe und viel lieber faul zu Hause bleiben möchte. Kinder machen so glücklich!

Wald auch. Daher schnappt die Mutter ihre Kinder und sie fahren los. Nach einer anfänglichen Hänsel-Zickerei sind alle drei fröhlich.

Hänsel driftet so vor sich hin, Gretel ist fürchterlich genervt davon. Das kleine Mädchen sieht es gar nicht ein, dass sie das mit ihrem Fahrrad nicht kann und wünscht sich daher zum Geburtstag auch ein Mountainbike.

An der Skaterbahn machen sie eine Radl-Pause. Die drei rennen die Rampen hoch und runter und haben ihren Spaß.

Dreißig Kilometer und eine reine Fahrzeit von dreieinhalb Stunden später kommen die drei wieder heim. Zwei von ihnen sind fröhlich und gut gelaunt. Hänsel jammert. Alles tut ihm weh und es war viel zu weit, er hat Hunger und überhaupt ist alles doof.

Die Mutter hat versprochen, Essen zu machen. Wenn die Kinder ihren Kram aufräumen. Entspannt setzt sie sich daher auf den Balkon und überlegt, ob sie heute, oder die nächsten Tage, kochen müssen wird. Ein Blick zu den Kindern bestätigt ihre Gedanken. Niemand räumt auf.
Sie macht dennoch etwas zu essen. Und vereinbart mit den Kindern, dass es Picknick mit Film gibt, sollte die Wohnung ordentlich sein, wenn der Auflauf fertig ist. Sie ist gespannt.

Und dann explodiert sie.

Hänsel hat alle seine Schulsachen bei seinem Vater. Seit zwei Wochen ist im Gespräch, dass es ab morgen für die vierten Klassen weitergehen könnte, seit fünf Tagen steht fest, dass dem so ist. Der Herr möchte seinem Sohn, erst auf mehrmalige Nachfrage des Prä-Pubertiers reagierend, die Sachen Montagnachmittag übergeben. Übergeben ist das Stichwort, denn das würde sich die Mutter in diesem Moment gerne. Sie ist fassungslos. Zwar hatte sie eine solch desinteressierte Reaktion schon erwartet, ihrem Charakter entsprechend aber dennoch die Hoffnung gehabt, sich zu irren.

Sie überlässt ihrem Sohn die Situation. Dieser handhabt das souverän. Die Mutter ist sehr stolz auf ihn. Der Vater ist genervt. Muss er doch extra für sein Kind am Sonntagabend ins Büro fahren und den Schulranzen holen, den sein Sohn ganz überraschend braucht. Wann er ihn bringt, weiß er nicht. Jetzt ist er noch unterwegs. Die Prioritäten sind wieder einmal klar.

Seine Emotionen lässt Hänsel an seiner Schwester aus. Er brüllt sie so sehr an, dass sie sich verzweifelt weinend einen anderen Bruder wünscht. Das macht ihn wütend. Er kommt zur Mutter und teilt hochoffiziell mit, dass er bitte nicht mehr Gretels Bruder sein möchte.

Die Mutter nimmt ihn in den Arm. Tränen laufen über sein Gesicht. Eigentlich ist es gar nicht Gretel, auf die er sauer und von der er enttäuscht ist. Die Mutter nimmt ihn noch fester in den Arm.

Die Kinder streiten sich noch ein bisschen, während das Essen im Ofen vor sich hin brutzelt. Natürlich wird es gleich einen Film geben. Die Mutter möchte „Vaiana“ sehen und das Urlaubsfeeling genießen. Auch wird die Mutter den Abwasch übernehmen. Anschließend wird sie die Kinder ins Bett schicken. Jedes Kind ins eigene. Dann wird sie Bier trinken. Viel Bier. Der Abend wird lang. Sie ist immer noch bei alkoholfrei. Ein Augustiner jedoch steht ebenfalls kalt. Nur für den Fall der Fälle.

Die drei kuscheln sich mit ihrem Auflauf-Experiment vor den Fernseher und reisen in den Südpazifik. Sie sind glücklich, dass sie sich haben.