Verhältnismäßig früh wacht die Mutter auf. Sie ist noch müde, aber entscheidet sich dennoch dafür, nicht noch weiter zu schlafen. In acht Stunden werden die Kinder wieder bei ihr sein, die Zeit bis dahin möchte sie nutzen.

Sie holt sich einen Kaffee, setzt sich auf die Couch und startet Laptop und Fernseher.

Ein Blick auf ihr Handy lässt sie schmunzeln: Die Arbeit am Projekt ihrer Schwester am Vortag hat erste Früchte getragen. Die Mutter freut sich sehr, dass aus der Nachricht ihrer Schwester sehr viel Dankbarkeit herausscheint.

Anschließend widmet sie sich ihrem eigenen Projekt. Und dem attraktiven Kriminellen.

Von diesem muss sie sich bereits mittags trennen. Alle sechs Staffeln sind durchgesehen. Das Ende hat es in sich. Erst hasst sie es, um es nur wenige Minuten später für eines der besten Abschlüsse einer Serie zu halten.

Erst braucht sie einige Momente, um das Finale zu verdauen. Dann eine neue Serie. Mit einem ähnlich attraktiven Protagonisten. Und das wird nicht leicht.

Kurzerhand entscheidet sie sich daher für die Pilotfolge einer Serie mit dem gleichen Darsteller, obwohl es sich bei dem Thema nicht so um ihr favorisiertes Genre handelt.

Als sie mit ihrem Projekt auf dem aktuellen Stand ist, wird es bereits dunkel. Ihren geplanten Spaziergang lässt sie daher ausfallen. Noch neunzig Minuten, bis sie die Kinder wieder bei sich hat.

Diese Zeit wird sie für eine weitere Folge des attraktiven Kriminellen, der in dieser Serie gar nicht kriminell ist, nutzen. Dazu gibt einen heißen Kaffee, von dem sie heute erschreckend wenig getrunken hat.

Sie freut sich sehr auf die Kinder. Das ganze Wochenende haben sie sich nicht gemeldet, sie geht davon aus, dass die beiden eine schöne Zeit hatten.

Pünktlich kommen die zwei heim. Der Vater lässt sie an der Straße aussteigen und fährt gleich weiter. Der Mutter möchte er nicht über den Weg laufen.

Die Kinder erzählen auch warum: Das nächste Wochenende, eigentlich Papa-Zeit, fällt aus. Auch die Maske seiner Tochter ist nicht aufgetaucht.

War die Kleine erst davon überzeugt, dass sie gesehen hat, dass der Vater die Maske im Müll entsorgt hat, erzählt sie nun, dass er sie an einem See liegen ließ.

Dass der Vater der Mutter wiederum von einem Vergessen im Hotel berichtet hat, scheint er vergessen zu haben. Wie soll er sich auch seine ganzen Lügen merken können?

Hänsel ist ganz aufgeregt: „Papa will uns jetzt jedes zweite Wochenende nehmen!“ schreit er der Mutter entgegen.

Die Mutter nimmt ihren Sohn in den Arm. Sie wünscht ihm nichts mehr, als dass der Vater es ernst meint. Ernsthaft sieht der Junge sie an, bevor er „macht er doch eh nicht“ sagend wieder zu seiner Schwester geht.

Der Junge hofft so sehr, endlich die Liebe von seinem Vater zu erfahren, die er verdient hat, dass es der Mutter beinahe das Herz zerreißt.

Beim Gute-Nacht-Sagen verrät Hänsel seiner Mutter leise, so dass es Gretel nicht hören kann, dass er gar nicht jedes zweite Wochenende zu seinem Vater möchte. Denn dann würde ihm zu viel Zeit mit seinen Freunden verloren gehen. Da spricht eindeutig die Pubertät, die Mutter ist stolz, dass der Junge inzwischen klar seine Wünsche formuliert.

Gretel hat kein Interesse an dem Thema. Sie ist froh, die Mami wieder in den Arm nehmen zu können. Was sie nicht leid wird, zu beweisen. Dass diese dabei kaum Luft bekommt, egal. Mami muss gedrückt werden.

Wie schön es ist, die beiden Chaoten wieder bei sich zu haben!