Bevor Gretel am Abend einschlafen kann, im Arm der Mutter und einer Geschichte lauschend, möchte sie unbedingt noch wissen, ob am nächsten Tag noch Weihnachten ist. Die Antwort der Mutter, es sei dann der zweite Weihnachtsfeiertag, stimmt sie fröhlich. Das „Nein“ auf ihre daraufhin folgende Frage nach weiteren Geschenken allerdings vertreibt die Fröhlichkeit und lässt ein kleines Schmollen bei dem Mädchen zurück.

Dennoch schläft sie bald ein. Und lange. Denn als die Mutter am nächsten Morgen – oder eher fast am Vormittag – aufwacht, schlafen beide Kinder noch.

So klettert die Frau über ihre Tochter, um zur Kaffeemaschine zu gelangen. Eine Anfrage für einen gemeinsamen Spaziergang am Mittag muss sie ablehnen. Ob die Kinder bis dahin wach und einsatzbereit sind, ist fraglich.

Das Wetter hingegen wäre optimal. Die Sonne scheint trügerisch über die Kälte hinweg. Fotos würden sicher schön werden, überlegt die Mutter. Und Bewegung steht für heute sowieso auf dem Plan.

Wecken aber wird sie ihren Nachwuchs nicht, solange es nicht lebensnotwendig ist. Zu sehr genießt sie die Ruhe – wenn man denn im Rauschen des Ungetüms sitzend von Ruhe sprechen kann.

Sie daddelt ein wenig in den sozialen Medien umher und überlegt, ob die Wohnung wohl noch in diesem Jahr von der Vagabunden-Optik befreit werden wird. Hoffnung hat sie, trotz mehrfacher Aufforderungen, keine. Ihre Priorität aber liegt auch auf anderen Dingen.

Als beide Kinder wach sind, machen sich die drei auf den Weg zum Spaziergang. Kurz vor dem Ziel kommen ihnen die Großeltern entgegen, mit denen sie sich gemeinsam wieder auf den Rückweg machen.

Mit deutlich weniger Bewegung als geplant kommen sie wieder nach Hause. Hänsel begibt sich in die Küche und bereitet das Essen vor. Gretel räumt ihre Kreativ-Ecke im Arbeitsbereich der Mutter auf und die Mutter selbst sitzt mit schmerzendem Knie daneben und bemitleidet sich selbst.

Nach dem Essen wollen die drei die Kinder-Variante eines der liebsten Gesellschaftsspiele der Mutter spielen. Gretel hat es zu Weihnachten bekommen, Hänsel bereits am Vortag ausgiebig bespielt und Gretel erfüllt eine der wichtigsten Voraussetzungen für dieses Spiel, das Lesen können, noch nicht.

Stattdessen verlangt Hänsel Zeit für seine Rennbahn, seine Schwester folgt ihm. Die Mutter bleibt zurück, bemitleidet sich inzwischen nicht mehr selbst.

Später räumen die Kinder ihr Chaos in der Küche auf. Dabei haben sie eine Menge Spaß und das Ungetüm erhält einen Namen: das oberer Gerät heißt Alfred und hat Hänsel wohl soeben beleidigt. Das unterer Gerät, Paul, äußert sich nicht dazu. Dass Alfred sich verdächtig nach Gretel anhört, bildet sich die Mutter bestimmt nur ein.


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