Hänsel kann kaum die Aigen öffnen, als seine Mutter ihn an diesem Morgen weckt. Obwohl der Junge am Vorabend recht früh und als erstes eingeschlafen ist, möchte sein Körper nicht so wie er soll. Das kann spannend werden, wenn der Distanzunterricht zurück in den Präsenzunterricht wechselt und das Kind weitaus früher als 30 Minuten vor Schulbeginn aufstehen muss. Nicht nur für Hänsel, auch für seine Mutter. Wie Gretel damit klarkommen wird, ist zudem fraglich. Aber noch steht es in den Sternen, wann es soweit sein wird. Wenn auch es heißt, dass nach dem Wochenende die Abiturklassen wieder in den Wechselunterricht starten und in zwei Wochen der Rest folgen soll.

Kaffee. Die Mutter braucht einen Kaffee. Müde schaltet sie den Laptop und setzt sich mit ihrem heißen Glück an ihren Arbeitsplatz. Es ist dunkel – sowohl draußen als auch in der Wohnung. Wenn Hänsel gleich hinzukommt, wird er wahrscheinlich das Licht einschalten, die Mutter aber mag es gern, morgens nur im Licht des Laptops zu arbeiten.

Der Tagesplan für heute lässt sie auf wenig Spielraum hoffen. Nach dem Unterricht kochen die Kinder, anschließend wird Haudraufi zu ihnen kommen. Hänsel hat sein obligatorisches Date mit dem Opa und freut sich, dass er der Bagage so ein wenig entkommen kann. Gretel muss bis zum Besucherklingeln noch ihr Zimmer aufräumen. Den gestrigen Tag verbrachte sie freudig mit dem Putzen von den Badezimmern, dem Flur und der Küche, auch das Bett ihrer Mama macht sie gerne – nur in ihrem eigenen Zimmer lässt sie das Chaos liegen. Schon mehrfach hat die Mutter probiert, wie es ist, wenn sie das Mädchenzimmer aufräumt, quasi im Gegenzug, allerdings mit weniger Freude. Da sich das Chaos aber schneller wieder ausbreitet als Gretel fragen kann, ob das ein Kobold erledigt hat, gab die Mutter auf.

In seine Decke eingewickelt schlurft Hänsel in Richtung Arbeitsplatz. Er ist müde, er ist unmotiviert. Das Licht bleibt aus. Noch sind es zwanzig Minuten bis Unterrichtsbeginn, langsam fährt er die benötigten Programme hoch. Gretel schläft.

Der Unterrichtstag vergeht schnell. Zwischendurch spielen die Kinder, räumen ein bisschen auf und kochen in der Freistunde. Sie freuen sich sehr auf Haudraufi und haben schon eine tolle Spielidee vorbereitet. Als der kleine Besucher dann eintrifft, hat sich die Sonne jedoch bereits verabschiedet und das Wetter lädt gar nicht mehr zur Spielidee ein. So basteln die drei Chaoten, malen, springen Trampolin und flüstern so laut, dass die Mutter dennoch alles hört. Die Frau sitzt währenddessen im Wohnzimmer und darf Geschichten des kleine Mäusejungen Leo lauschen. Ihre Freude darüber ist grenzenlos.

Später, vor und auch noch nach dem Abendessen, powert die Mutter die Kinder aus. Quer durchs Wohnzimmer müssen sie hüpfen, tanzen, balancieren, kriechen, werfen und was ihr sonst noch so einfällt. Durchgeschwitzt wird Haudraufi angeholt, Hänsel und Gretel fallen k.o. auf die Couch und bitten darum, einen Film sehen zu dürfen. Gespannt folgen sie dem lustigen Gespensterfilm und verschaffen der Mutter so ein bisschen Luft zum Durchatmen.

Ein gelungener Start ins Wochenende.


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