Der Wecker klingelt. Langsam und kraftlos tastet die Mutter nach dem Gerät, um es für die folgenden vier Minuten ruhig zu stellen. Erst nach dem dritten Klingeln ist sie in der Lage, ihre Augen zu öffnen.

Ihr Mädchen liegt neben ihr und bekommt davon nichts mit. Sie schläft.

Für einen Augenblick kuschelt sie die Frau an die Kleine heran, bevor sie, immer noch müde und kraftlos, aufsteht.

Es ist Donnerstag. Immerhin. Nur noch einmal aufstehen, bevor sie am Wochenende wieder ausschlafen können. Die drei freuen sich sehr darauf. Noch mehr freuen sie sich, wenn in vier Wochen endlich Ferien sind. Das frühmorgendlichen Aufstehen ist einfach nichts für sie. Die Streitigkeiten der letzten Tage zeigen deutlich, dass die Mutter nicht die einzige ist, der die frühe Weckzeit zu schaffen macht.

Aber es hilft nichts. Nach dem ersten schluck Kaffee und ein paar Nachrichten für den Tag muss aus Gretel das Land der Träume verlassen. Auch Gretel ist müde und kraftlos. Vorwurfsvoll sieht sie ihre Mutter an und möchte wissen, warum sie sie schon wieder weckt. Wenn die Frau doch nur eine Antwort darauf hätte! Sie lächelt ihre Tochter an und versichert ihr, dass sie heute in den Kindergarten gehen darf und dort bestimmt Spaß mit ihren Freunden hat. Dem stimmt das müde Menschlein zu. Aber sie ist sich sicher, dass sie den Spaß auch hätte, wenn sie ausgeschlafen wäre.

Die Mutter lächelt, drückt ihr ein Küsschen auf die Wange und lässt das Mädchen noch einen Augenblick unter der Decke verweilen. Selbst nimmt sie einen weiteren großen Schluck Kaffee.

Hänsel darf weiterschlafen, bis die Mädels das Haus verlassen. Theoretisch. Praktisch aber steht er auf, als sie noch da sind und zieht, im Schlafanzug am Tisch sitzend, den Neid der Mutter auf sich.

Zwar ist es inzwischen morgens nicht mehr so kalt, Handschuhe aber benötigen sie zum Radfahren schon noch. So radeln die Mädels entsprechend eingepackt los, kurz darauf ist die Mutter auch wieder zurück.

Mit einem heißen Kaffee gesellt sie sich zu ihrem Sohn. Noch hat der Unterricht nicht begonnen, so dass sie noch einen Augenblick ratschen können. Der restliche Vormittag fällt der Austausch zwischen den beiden eher karg aus. Als die Mutter jedoch ein Telefonat beginnt, packt der Junge entnervt seine Sachen und zieht sich für diese Unterrichtsstunde in sein Zimmer zurück.

Nachmittags sind die drei verabredet. Sie freuen sich schon sehr. Das Ziel ist eines der liebsten und die Begleitung verspricht Unterhaltung für die Mutter, während die Kinder spielen und sich austoben.

Rechtzeitig daheim müssen sie heute sein, da ein weiterer Termin für die Mutter ansteht. Hänsel ist schon vorher nach Hause gefahren und hat das Abendessen für de Familie vorbereitet. Nicht nur der Stolz seiner Mutter ist ihm gewiss, auch die Begleitung ist beeindruckt.

Während die Mutter in ihrer Konferenz hängt, hängt Gretel an ihrem Arm. Sie möchte auch wissen, worum es geht und lauscht interessiert dem eher banalen Gespräch. Hänsel indes macht sich bereits bettfertig.

Nach einem ausgiebigen Gute-Nacht-Ritual wird die Mutter noch den einen oder anderen Punkt auf ihrer Liste abarbeiten, bevor auch sie sich ins Bett kuscheln wird. Freudig stellen die drei fest, dass sie nur noch am nächsten Tag früh aufstehen müssen, bevor sie zwei Tage ausschlafen können. Weniger freudig stellen sie fest, dass die Großeltern ihren Anruf nicht entgegennehmen, so dass wilde Theorien aufgestellt werden.

Lächelnd geht der Tag zu Ende. Ein weiterer Tag in Richtung Frühling.


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