Der zweite kinderfreie Tag beginnt stürmisch. Vor dem Fenster der Mutter biegen sich die Bäume im Wind, es wird von Schnee berichtet. Motivation, unter diesen Voraussetzungen das Bett zu verlassen, ist nicht ausfindig zu machen.

Maximal den Weg zur Kaffeemaschine plant die Frau diesen Vormittag ein. Am Nachmittag wird sich entscheiden, ob die Kinder bereits heute oder erst morgen in heimische Gefilde zurückkehren. Sie hat die Entscheidung den beiden überlassen. Wenn sie selbst entscheiden, so die Hoffnung, sind sie weniger schlecht gelaunt.

Eigentlich wollte die müde Frau auch den heutigen Tag mit ihrer lustigen Mordgeschichte auf den Ohren die Wälder um sie herum unsicher machen. Hin- und hergerissen liegt sie im Bett und weiß nicht, ob sie aufstehen oder liegen bleiben soll. Auch die am Vortag neu gestartete TV-Serie ist spannend und sie könnte ein paar Folgen vertragen.

Viel früher als gedacht erhält sie die Nachricht, dass die Kinder erst morgen wieder nach Hause kommen möchten. Überrascht ist sie nicht, sieht es jedoch als Aufforderung. Sie rafft sich daher auf und wandert knapp 10 Kilometer durch den Wald am See. Ihre Geschichte auf den Ohren lässt sie immer wieder herzhaft schmunzeln und die Leute wahrscheinlich komische Dinge von ihr denken. Sie aber genießt die frische Luft, die Bewegung und die Geschichte.

Pünktlich mit der Lieferung des neuen Wäscheständers kommt sie zurück. Die Freude kann sie kaum in Worte fassen, so dass sie das Gerät außerhalb ihres Blickfelds abstellt. Immerhin ist es in Luftpolsterfolie eingepackt, grinst sie.

Von den Kindern hört die Mutter nichts. Ihre Liebeserklärung in der Früh ist unbeantwortet, auch sonst bekommt sie keinerlei Aufmerksamkeit der beiden. Ihnen geht es offensichtlich gut und so legt sich die Frau ruhigen Gewissens nachmittags um zwei Uhr in Jogginghose auf die Couch, tauscht die Story auf den Ohren gegen eine Story für die Augen aus und genießt die Ruhe.


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